BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

Adresse der Redaktion:
Dr. Robert Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Untersuchungen zur Ökologie des Strömers (Leuciscus souffia)
Erste Ergebnisse
Beat Grabherr, Alban Lunardon & Robert A. Patzner
Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, A-5020 Salzburg
beat.grabherr@vol.at

Der Strömer gehört zu den Karpfenfischen und erreicht im adulten Stadium Körper-längen bis zu 20 cm. Er bewohnt die unteren Abschnitte der sauerstoffreichen Forellenregion. Die Fischart gehört europa-weit zu den stark gefährdeten Tierarten und wurde deshalb von der Europäischen Kommission für Umwelt und Naturschutz in den Anhang II der FFH–Richtlinie als „Tierart von gemeinschaftlichem Inter-esse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen“, aufgenommen (EU-Kommission, 1992).
In den Jahren 2002 und 2003 wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts im Auftrag der inatura verschiedene Strömer-Populationen in Vorarlberg untersucht. Neben der Dokumentation der Verbreitung des Strömers in Vorarlberg war das Hauptaugenmerk der Forschungsarbeit auf die Ökologie dieser seltenen Fischart gerichtet.
Um dies zu realisieren, wurde die Strömer-Population an der Schwarzach, einem Zubringer der Dornbirnerach, über den Zeitraum eines Jahres untersucht.
Da nicht nur die Strömer-Bestände, sondern die Populationen aller Fischarten an den Untersuchungsstrecken erfasst wurden, liefert das Forschungsprojekt neben den Erkenntnissen über den Strömer auch wertvolle Ergebnisse über die Entwicklung der Fischbestände über den Zeitraum eines Jahres.
Dabei sticht vor allem der Unterschied zwischen der Bestandsdichte restruk-turierter und noch immer hart verbauten Gewässerabschnitten gravierend heraus.
Darüber hinaus wurden in Zusammen-arbeit mit dem Institut für Evolutions-biologie der Universität Konstanz geneti-sche Untersuchungen durchgeführt, um Rückschlüsse über die Verwandtschafts-beziehungen zwischen den heimischen Populationen und anderen Strömer-Popu-lationen in Mitteleuropa zu erhalten.

Untersuchungsmethoden

Die Fischbestände an den Untersuchungs-stellen wurden mit Hilfe von Elektro-befischungen erfasst.
An der Schwarzach wurden über den Zeitraum eines Jahres im Abstand von etwa 10 Wochen 6 Befischungen durchge-führt (Abb. 1). Dabei wurden immer die selben Strecken befischt. Die Auswahl dieser Probestellen erfolgte in Hinblick auf deren Gewässerstruktur. Eine Probenent-nahmestelle befindet sich im renaturierten Bachabschnitt der Schwarzach, in welchem ein ehemaliger Altarm wieder ins Gewässer integriert wurde, eine zweite Proben-entnahmestelle im hart verbauten Bereich der Schwarzach, ca. 1 km flussabwärts.
Neben der Schwarzach wurden Elektro-Befischungen an der Bregenzerach, der Laiblach und der Bolgenach durchgeführt.
Für die genetischen Analysen wurden einigen Strömern sogenannte „Flossen-clips“ entnommen. Dabei handelt es sich um winziges Flossen-Stückchen, dessen Fehlen die Fische nicht beeinträchtigt.
Darüber hinaus wurden einige Strömer mit Alzianblau markiert, um das Wander-verhalten der Fische erfassen zu können.

Abb. 1. Strömer aus der Schwarzach. Elektrobefischung.

 

 

Anmerkung:
Diese Arbeit wurde im April 2004 beim Symposium der Arge Naturwisenschaften in Vorarlberg als Poster präsentiert.

 

Ergebnisse und Diskussion

Verbreitung des Strömers in Vorarlberg
Strömer-Populationen sind in Vorarlberg in der Laiblach, im Unterlauf der Bregenzer-ach, in der Dornbirnerach (Arbeitsgemein-schaft Fliessgewässerinventar Vorarlberg, 1993), und in der Schwarzach anzutreffen.
Einzelfunde konnten aus dem Rhein verzeichnet werden. Ehemals existierende Bestände an der Bolgenach konnten nicht mehr nachgewiesen werden.

Strömer-Population an der Schwarzach
Die Untersuchungen über den Zeitraum eines Jahres haben gezeigt, dass die Strömer nur den renaturierten Bachab-schnitt der Schwarzach besiedeln, obwohl dieser Bachabschnitt mit natürlichen Strukturen lediglich wenige hundert Meter Länge besitzt. Aus den Markierungs-versuchen geht hervor, dass der renatu-rierte Bachabschnitt – insbesondere der reaktivierte Altarm – den Strömern als Jungfisch-Habitat dient. Adulte Exemplare konnten während der Laichzeit (Mai 2002) verstärkt nachgewiesen werden. Bei den Befischun-gen im Juli, Oktober, und Dezember 2002 waren diese Exemplare nur sehr spärlich vertreten, ehe sie im März und im Mai 2003 wieder auftauchten. Die Jungfische blieben das ganze Jahr über im renaturierten Abschnitt – bevor-zugt im Altarm. Das Vorkommen und die gesunde Populationsstruktur dieser stark gefährdeten Fischart im renaturierten Bachabschnitt unterstreicht die Bedeutung von Restrukturierungen und wieder ins Gewässer-system eingegliederten Altar-men.
Die Ergebnisse (Abb. 2) verdeutlichen den bedeuteden Unterschied zwischen Fisch-beständen in regulierten und jenen in renaturierten Bachabschnitten auf ein-drucksvolle Weise.

Abb. 2. Gravierende Unterschiede bestehen zwischen den Fischbeständen natur-belassener und künstlich
gestalteter Gewässer. Anzahl der Fische.

Genetische Untersuchungen
Die Analyse des Erbmaterials der Strömer-Populationen Vorarlbergs ist Teil eines Projektes des Institutes für Evolutions-biologie der Universität Konstanz (Salz-burger & al., 2003). Ziel dieses Projekts ist es, die nacheiszeitliche Besiedelung der Gewässersysteme in Mitteleuropa anhand des Strömers zu rekonstruieren. Der Vergleich des Erbmaterials der Strömer-Populationen in Vorarlberg (Schwarzach, Laiblach und Bregenzerach) mit Proben aus der Argen (Anm.: Zufluss des Bodensees in Baden-Württemberg) weist darauf hin, dass kein Kontakt zwischen den Populationen mehr besteht und der Bodensee somit eine Barriere darstellt (Salzburger & al., 2003).
Inwieweit die Populationen von Bregenzerach, Schwarzach und Laiblach voneinander isoliert sind, bedarf noch weiterer Untersuchungen. Bisherige Ergeb-nisse deuten jedoch darauf hin, dass auch zwischen diesen Beständen kein geneti-scher Austausch mehr stattfindet.

Literatur

Arbeitsgemeinschaft Fliessgewässerinventar Vorarl-berg (1993): Pilotprojekt Dornbirnerach. 416 Seiten. Amt der Vorarlberger Landesregierung, Bregenz.
Europäische Kommission für Umwelt und Naturschutz (1992): Richtlinie Lebensräume 92/43 EWG. 20 Seiten. Brüssel.
Salzburger W., A. Brandstätter, A. Gilles, W. Parson, M. Hempel, C. Sturmbauer, A. Meyer (2003): Phylogeography of the vairone (Leuciscus souffia, Risso 1826) in Central Europe. Molecular Ecology 12, 2371 –2386.