BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

Adresse der Redaktion:
Dr. Robert Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Die Riffbarsche (Pomacentridae) von Dahab, Rotes Meer

Verena Leutgeb, Elke Neubacher, Julia Auer, Rupert Eckkrammer, Stefan Mayr und Robert A. Patzner

Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, A-5020 Salzburg
robert.patzner@sbg.ac.at


Allgemeines

Die Familie der Riffbarsche gehört, wie viele andere Rifffische, zur Ordnung der Barschartigen (Perciformes). Sie unterscheiden sich von den übrigen Barschartigen dadurch, dass sie nur zwei Nasenöffnungen haben, während die Vertreter der anderen Familien mit jeweils zwei Paar, also vier Nasenöffnungen, ausgestattet sind. In der Folge verfügen die Riffbarsche über eine weniger gut ausgeprägte Geruchswahrnehmung, jedoch über einen hervorragenden Gesichtssinn.

Nach dem heutigen Stand des Wissens umfasst die Familie 300 Arten, welche in 28 Gattungen zusammengefasst sind. Innerhalb der riffbewohnenden Fische treten sie vielerorts als häufigste Gruppe auf.

Die Gattungen lassen sich leicht unterscheiden. Schwieriger ist die Unterscheidung der Arten und Unterarten, zudem kennt man einige geographische Varianten. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass sich juvenile Exemplare zum Teil stark von den Adulttieren unterscheiden. Außerdem ist bei manchen Arten ein Farbwechsel während der Laichzeit zu beobachten.

Fortpflanzung

Je nach Art legt jedes Weibchen zwischen 50 und 1000 oder gar mehr Eier ab. Arten mit größeren Eiern wie die Anemonenfische haben eine längere Brutzeit, die sich über sechs oder sieben Tage ausdehnt, wohingegen die Brutzeit bei den meisten Arten zwischen zwei und vier Tagen liegt. Während dieser Zeit übernimmt das Männchen die Hauptaufgabe der Nestbewachung, und in manchen Fällen wird sogar das Weibchen aus der Nähe des Nestes verjagt. Die Männchen sind dabei höchst aggressiv und attackieren häufig auch größere Fische. Sogar Schnorchler und Taucher werden nicht von solchen Angriffen verschont, wobei diese bei einigen Arten auch von stakkatoartigen und deutlich hörbaren Klick- und Grunzlauten begleitet werden.

Die Eltern befächeln sorgfältig das Nest und entfernen tote oder kranke Eier. Abhängig von der Art variiert die Länge der Neugeborenen von zwei bis vier mm. Obwohl wissenschaftlich noch nicht völlig abgesichert, scheint es so zu sein, dass die Jungen zunächst pelagisch leben. Sie treiben nahe der Oberfläche und sind der Gnade von Gezeiten, Wellen und Strömungen ausgeliefert. Legt man die geografische Verbreitung verschiedener Arten zugrunde, so ist festzuhalten, dass einige über beträchtliche Entfernungen während dieser Phase ihrer Lebensgeschichte transportiert werden. Einmal in ein flaches Küstenriff gespült, werden die Jungfische zu ständigen Bodenbewohnern und nehmen schnell das jeweilige Jugendfarbmuster an. Die Wachstumsgeschwindigkeit ist je nach Art unterschiedlich. Im Allgemeinen reicht sie von fünf bis 15 mm pro Monat, wobei sie sich umso mehr verlangsamt, je näher das Erwachsenenstadium kommt.

Bedeutung der Riffbarsche

Hauptsächlich wegen ihrer geringen Körpergröße haben die Riffbarsche kaum wirtschaftliche Bedeutung. Eine Ausnahme ist der Aquarienhandel. Viele Riffbarsche, zum Beispiel die farbenprächtigen Arten der Gattung Amphiprion oder Dascyllus , sind beliebte Aquarienfische, die sich rasch an die Aquarienbedingungen anpassen und so sehr leicht zu pflegen sind. Selten nur werden sie als Nahrung benutzt.

Trotz ihrer geringen ökonomischen Bedeutung spielen die Riffbarsche zweifellos eine lebenswichtige Rolle in Hinblick auf die Nahrungskette im Riff. Sie sind ein integrales Bindeglied zu den größeren Hochseefischen, die oft die Beute von Sportanglern und Berufsfischern sind.

 

Exkursion Uni Salzburg

Vom 21. März bis 4. April wurde von der Universität Salzburg unter der Leitung von Prof. Dr. Robert Patzner und Prof. Dr. Paul Heiselmayer die Exkursion "Lebens-raum Sinai - zwischen Wüste und Korallenriff" in Dahab abgehalten. Unsere Gruppe
Verena Leutgeb
Elke Neubacher
Julia Auer
Rupert Eckkrammer

Stefan Mayer

beschäftigte sich speziell mit der Familie der Riffbarsche. Hier sind unsere Ergebnisse:

Riffbarsche in Dahab

Die folgenden 20 Arten wurden von uns mit unterschiedlicher Häufigkeit beobachtet. In Klammer ist jeweils die Vorkommenshäufigkeit auf einer Skala von 1 (sehr selten) bis 4 (sehr häufig) angegeben. Die am häufigsten vorkommenden Arten werden nebenan beschrieben.

Abudefduf sexfasciatus (Häufigkeit 3,
unten näher beschrieben)
Abudefduf vaigiensis (Häufigkeit 3,
unten näher beschrieben)
Amblyglyphidodon flaviatus (Häufigkeit 2,
unten näher beschrieben)
Amblyglyphidodon leucogaster (Häufigkeit
3, unten näher beschrieben)
Amphiprion bicinctus (Häufigkeit 3,
unten näher beschrieben)
Chromis dimidiata (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)
Chromis flavaxilla (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)
Chromis pembae (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)
Chromis trialpha (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)
Chromis viridis (Häufigkeit 4,
unten näher beschrieben)
Chromis weberi (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)
Dascyllus aruanus (Häufigkeit 3,
unten näher beschrieben)
Dascyllus marginatus (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)
Dascyllus trimaculatus (Häufigkeit 3,
unten näher beschrieben)
Neoglyphidodon melas (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)
Neopomacentrus miryae (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)
Plectroglyphidodon lacrymatus
(Häufigkeit 1, nicht näher beobachtet)
Pomacentrus sulfureus (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)
Pomacentrus trichourus (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)
Pomacentrus trilineatus (Häufigkeit 1,
nicht näher beobachtet)

Auszählungen

An zwei Tagen wurden von uns im Golf von Aquaba Arten- und Individuenzählungen durchgeführt. Im Folgenden sind die Ergebnisse für die Gruppe der Riffbarsche aufgeführt.

1. ZÄHLUNG: Islands, bei Dahab

RIFFDACH:
Vormittag: 5 Arten, 50 Individuen
Nachmittag: 6 Arten, 14 Individuen

RIFFKANTE:
Vormittag: 6 Arten, 150 Individuen
Nachmittag: 4 Arten, 40 Individuen

RIFFHANG:
Vormittag: 7 Arten, 650 Individuen
Nachmittag: 7 Arten, 400 Individuen

2. ZÄHLUNG: Riff bei Ras Abu Galum

RIFFDACH:
Das Riffdach ist hier zu flach um zu Schnorcheln

RIFFKANTE:
Vormittag: 3 Arten, 250 Individuen
Nachmittag: 10 Arten, 27 Individuen

RIFFHANG:
Vormittag: 6 Arten, 300 Individuen
Nachmittag: 6 Arten, 400 Individuen

Sowohl bei der Artzahl als auch bei der Individuenzahl bilden die Riffbarsche neben den Lippfischen (Labridae) die am häufigsten auftretende Gruppe. Die meisten Riffbarsche trafen die Taucher unter uns am Riffhang an. Aber auch an der Riffkante konnten die Schnorchler die Fische gut beobachten.

Literatur

Allen, G. R. (1991). Riffbarsche der Welt. 1. Aufl., Mergus Verlag, Melle.

Debelius, H. (1998). Riff-Führer Rotes Meer. 3. Aufl., Jahr Verlag: Hamburg.

Häufige Arten

Abudefduf sexfasciatus (Lacepède)
Scherenschwanz-Sergeant

Häufigkeit: 3
Diese Fische halten sich nach unseren Beobachtungen ausschließlich in Gruppen auf. Sie bewohnen küstennahe und -ferne Korallen- und Felsenriffe. Die Tiefen-verbreitung reicht von 1 bis 15 m.
Merkmale: weiße Grundfärbung mit schwarzen Längsstreifen (5), gekielte Schwanzflosse mit schwarzen Mittel-streifen. Labriforme Schwimmweise (mit Brust- und Pektoralflosse); TL 16 cm.

Abudefduf vaigiensis (Quoy & Gaimard)
Indo-Pazifischer Feldwebelfisch
Häufigkeit: 3
Bewohnt die oberen Regionen von Außenriffhängen und küstennahe Felsen Riffe. Die Tiefenverbreitung reicht von 1 bis 12 m. Sie ernähren sich von Zooplankton, benthische Algen und kleinen Invertebraten. Juvenile Stadien sind mit driftenden Seegras assoziiert (Schulen).
Merkmale : Grundfarbe weiß mit schwarzen Längsstreifen, gekielte Schwanzflosse (durchscheinend); TL ca. 20 cm.

Abudefduf vaigiensis Foto R.A. Patzner


Amblyglyphidodon flavilatus
(Allen &
Randall)

Gelbseiten-Demoiselle
Häufigkeit: 2
Diese Art bewohnt küstennahe Korallenriffe und Steilabfälle von Außenriffen. Die Tiefenverbreitung reicht von 12 bis 20 m.
Merkmale: schimmernd silber-weiß, nach vorne nach grau abgestuft, hinten unterhalb der Rückenflosse gelbliche Färbung. Labriforme Schwimmweise; TL ca. 10 cm.

Amblyglyphidion flaviatus Foto R.A. Patzner

Amblyglyphidodon leucogaster (Bleeker)
Weißbauch-Riffbarsch
Häufigkeit: 3
Diese, nach unseren Beobachtungen wenig scheuen Fische, halten sich in Gruppen oder auch oft sehr häufig in korallenreichen Lagunen und an Außenriffen auf. Sie lassen Schnorchler und Taucher sehr nahe an sich herankommen, bevor sie flüchten.
Die Art bewohnt küstennahe und -ferne Korallenriffe. Etliche Farbvarianten sind vorhanden.


Amphiprion bicinctus (Rüppell):
Rotmeer-Anemonenfisch
Häufigkeit: 3
Nur im Roten Meer (dort einzige Amphiprion-Art). Lebt in 1 bis 30 m Tiefe an Lagunen und Außenriffen paarweise oder in Familiengruppen mit fünf verschiedenen Anemonen assoziiert: Blasenanemonen (Entacmaea quadicolor), Prachtanemonen Heteractis aurora, H. magnifica und H. crispa) und Riesenanemonen (Stichodactyla gigantea).

Amphiprion bicinctus. Foto R.A. Patzner


Chromis viridis (Cuvier)
Grüner Schwalbenschwanz
Häufigkeit: 4
Eng assoziiert mit verästelten Korallen, insbesondere mit Acropora in 1 bis 12 m. Diese Art bevorzugt Außenriffe, weil diese periodisch starken Strömungen ausgesetzt sind, wodurch ihnen genügend planktotische Nahrung herangetragen wird. Die Fische schweben über ihrem Korallenblock. Kommt man diesem zu nahe, dann ziehen sie sich fluchtartig ins Geäst der Koralle zurück, wo jedes Individuum seinen angestammten Platz hat. Entfernt man sich wieder, kommen die Fische rasch wieder aus ihrem Versteck hervor.

Chromis viridis Foto R.A. Patzner


Dascyllus aruanus (Linnaeus)
Dreibinden-Preußenfisch
Häufigkeit: 3
Halten sich meist in Gruppen über Korallenköpfen auf. Assoziiert mit astförmigen Korallen in Lagunen und küstennahen Riffen. Tiefenverbreitung von 1 bis 12 m.


Dascyllus aruanus. Foto R.A. Patzner

Dascyllus trimaculatus (Rüppell)
Dreifleck-Preußenfisch
Häufigkeit: 3
Bewohnen Korallen und Felsenriffe in einer Tiefe von 1 bis 55 m. Jungtiere oft in großer Zahl mit Anemonen assoziiert, manchmal zusammen mit Amphiprion. Sie kommen von seichten Riffplattformen bis zu abgelegen Korallenköpfen auf weiten, offenen Sandflächen vor. Teilweise konnten wir sie im Müll (Autoreifen usw.) beobachten.

Dascyllus trimaculatus Jungtier. Foto: R.A. Patzner