BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Der Amur-Schlangenkopf (Channa argus) – eine invasive Fischart bedroht amerikanische Gewässer

Thomas Strasser

Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, A-5020 Salzburg
tom.strasser@gmx.at


Amerikaner besorgt

In den Vereinigten Staaten droht der Amur-Schlangenkopf Channa argus zu einer Gefahr für das dortige Ökosystem zu werden. Er erfüllt einige Voraussetzungen eines „idealen Invasors“:
1. Schlangenkopffische sind obligatorische oder fakultative Luftatmer. Suprabranchi-ale Kammern (die in den Pharynx münden) und eine zweigeteilte Aorta ermöglichen den Fischen eine bimodale Atmung (Wasser und Luft). Dieser Umstand ermöglicht den Tieren ein Überleben an Land so lange die Haut der Fische feucht bleibt. Channa argus kann so bis zu vier Tage an Land überleben. Dank der Luftatmung können viele Channidae über Land wandern. Aufgrund seiner Größe (bis zu 1,5 m) und seines lateral zusammengepressten Körpers ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Channa argus größere Wanderungen über Land unter-nehmen kann.
2. Das Nahrungsspektrum des Amur-Schlangenkopfs ist sehr breit. In juvenilen Stadien wird zuerst Zooplankton und später Makrozoobenthos gefressen. Die fortpflanzungsfähigen Tiere ernähren sich hauptsächlich von Fischen (bis zu einer Länge von etwa 30 % der eigenen Körperlänge), aber auch von Amphibien, Reptilien, Krebsen, Vögel und Säugern.
3. Im Unterschied zu anderen Schlangen-kopffischen, kann Channa argus auch in kalten Gewässern (die im Winter eine Eisdecke tragen) überleben.
4. Amur-Schlangenköpfe können mehr-mals im Jahr bis zu 15.000 Eier ablaichen. Wodurch ein Pärchen genügt um ein Gewässer innerhalb kürzester Zeit zu bevölkern.

Allgemeines

Die Familie der Channidae (Schlangen-kopffische, Ordnung Perciformes) besteht aus 29 Arten die Gewässersysteme in Süd- und Ostasien (Genus Channa, 26 Arten) sowie West- und Zentralafrika (Genus Parachanna, 3 Arten) besiedeln.

Die natürliche Verbreitung von Channa argus erstreckt sich von China über SO-Russland bis Korea. Vor allem in China ist Channa argus (Cantor, 1842) ein beliebter Speisefisch, der in Teichen, Bassins und Reisfeldern gezüchtet wird. Außerdem wird der Amur-Schlangenkopf, wie viele andere Arten dieser Familie aufgrund seiner attraktiven Färbung als Aquarienfisch gehandelt.

Channa argus wurde 1921 in Japan eingeführt. Außerdem wurde die Art in Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, West-Russland, die Ukraine und in der Tschechoslowakei in der Mitte des 20. Jahrhunderts eingeführt. In den USA wurden Amur-Schlangenköpfe in Kalifor-nien, Florida, Maryland, Virginia und Massachusetts gefunden.

 

Gefahr für Ökosystem

Die Folgen einer starken Ausbreitung sind höchst wahrscheinlich eine Veränderung der Nahrungskette, da es sich bei Channa argus um einen Top-Prädatoren handelt. Außerdem ist die Einschleppung von Parasiten und/oder Krankheiten möglich, die zu einer massiven Rückgang bestimmter Arten führen könnten. Vergleichbares ist bereits in Europa mit der Einschleppung der Krebspest durch amerikanische Flusskrebse geschehen.

Amur-Schlangenkopf Channa argus, eine Gefahr
für das Ökosystem.
Foto: International Game Fish Association

In den Vereinigten Staaten wird nun mit allen Mitteln versucht, eine Ausbreitung des Amur-Schlangenkopfes zu verhindern. Seit 2002 ist der Import und zwischenstaatliche Transport von lebenden Schlangenkopffischen verboten. Damit wurde auch eine Zuchtanstalt im Bundesstaat Arkansas geschlossen. Um Channa argus zu bekämpfen wurde bereits zu extremen Maßnahmen gegriffen. So wurde 2002 in einen Teich in Croften (Maryland) – in dem sich eine bereits reproduzierende Population von Channa argus befand – Herbizide und Piscicide (Rotetone) eingeleitet. Der Eingriff wurde als Erfolg gefeiert, da die Schlangenköpfe (mit allen anderen Fischen) vergiftet wurden. Die Feier dauerte jedoch nur kurz, da seit Mai 2004 immer wieder Exemplare dieser invasiven Art in Marylands gefangen wurden.

Es wird nun befürchtet, dass sich diese Art in die Großen Seen ausbreiten könnte, was eine Bekämpfung der Art beinahe unmöglich machen würde. Die Panik der Amerikaner vor dieser Fischart mag zwar etwas befremdlich erscheinen, jedoch haben bereits viele Neozoen die Ökosysteme der Gewässer Amerikas massiv verändert (z.B.: Wandermuschel, Dreissena polymorpha).

Auch in Europa?

In Europa ist eine Einschleppung dieser Art jederzeit möglich. Dass die Art hier überleben kann zeigen Experimente aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Allerdings wurden die hier ausgesetzten Fische wieder entfernt, wodurch eine akute Gefahr einer Ausbreitung im Augenblick als gering angesehen werden kann. Durch ein unbedachtes Freisetzen dieser Fische durch Aquarianer könnte sich dies jedoch auch in Europa schnell ändern.

Literatur

Bergbauer, M. (2004): Dead only! Der Schlangenkopffisch. Unterwasser 12/2004. 10.

Courtenay, Jr., W.R. & J.D. Williams (2004): Snakeheads (Pisces, Channidae) – a biological synopsis and Risk Assess-ment. U.S. Geological Survey Circular 1251.

Maryland Department of Natural Resources: www.dnr.state.md.us

Virginia Department of Game & Inland Fisheries: www.dgif.virginia.gov