BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Dr. Robert A. Patzner

 

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Dr. Robert Patzner
Organismische Biologie
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BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Das Verschwinden des Roten Kammseesternes (Astropecten aranciacus)

Horst Moosleitner & Robert A. Patzner

Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, A-5020 Salzburg
homosub@aon.at & robert.patzner@sbg.ac.at



Früher häufig

Der Rote Kammseestern (Astropecten aranciacus) ist leicht zu erkennen und als Adulttier im Mittelmeer nicht zu verwechseln (Abb. 1). Nur diese Art aus der Gruppe der Kammsterne wird über 20 cm groß.

Spätestens seit dem Vortrag von Ribi (2003) am Echinodermenkongress in München im Oktober 2003 ist es offiziell bekannt, dass die Bestände des Roten Kammseesternes erschreckend abgenom-men haben. Noch in den 60-er und 70-er Jahren war er einer der häufigsten Seesterne des Mittelmeeres, bewohnte Weichböden von 2 bis 50 m Tiefe und ernährte sich von benthischen Tieren, vornehmlich Muscheln und irregulären Seeigeln. Er war Ziel zahlreicher Untersuchungen über seine Lebensweise, Ernährung, Gemeinschaften mit Fischen u.s.w. (Weber 1965, Ribi & Jost 1978, Moosleitner 1980, 1982).


Abb. 1. Astropecten aranciacus - der Rote Kammseestern.
Foto H. Moosleitner ©


Abb. 2. Eingegrabener Kammseestern. Der Umriss ist gut
zu erkennen. Foto: R.A. Patzner ©


Abb. 3. In der Cala Charakka bei Ibiza sind die Kammsee-
sterne in den letzten Jahren völlig verschwunden.
Foto: R.A. Patzner ©

Heute verschwunden

Seit den 80-er Jahren nahmen seine Bestände jedoch stark ab und in vielen Gegenden scheint er ausgestorben zu sein. Über die Ursachen kann man nur Vermutungen anstellen. Sicherlich haben Verschmutzungen, Bodendredschen, Aufsammlungen als Souvenir u.a. nicht unbeträchtlich dazu beigetragen.

Es müssen aber auch andere Gründe sein, wie wir an einem Beispiel zeigen wollen. In der großen, nahezu unbewohnten Bucht Cala Charakka im Norden von Ibiza konnten in den 80-er und 90-er Jahren bei jedem Tauchgang regelmäßig diese großen Kammseesterne gefunden werden. Bei Tag oft eingegraben, aber leicht an den Umrissen im Sand zu erkennen (Abb. 2). In den letzten Jahren wurde jedoch kein einziger mehr gesichtet. In dieser Bucht wird normalerweise nie getaucht (reiner Sandgrund), es gibt keine (lokale) Verschmutzung, es werden keine Dredschzüge gemacht und für Aufsammlungen von Hand aus ist das Wasser zu tief, beziehungsweise die Bucht zu groß (Abb. 3) .

Um genaue Untersuchungen über den Rückgang anstellen zu können, benötigt man gute Bestände, die es vielleicht noch irgendwo gibt. Die Leser sind daher aufgerufen, sich an allen Orten des Mittelmeeres genauer umzusehen und ein eventuelles Vorkommen des Roten Kammseesternes an die Redaktion zu melden, am besten PER E-MAIL.

Nach Auskunft von Georg Ribi, vom Zoologischen Museum in Zürich (persönl. Mitteilung), gibt es im Mittelmeer noch vereinzelt Populationen des Roten Kammseesternes.

Literatur

Moosleitner H., 1980: Symbiotic behavior of Astropecten aranciacus (Echinodermata: Asteroidea) and fish in the Mediterranean. 6. Int. Sci. Symp. Cmas: 152-155.
Moosleitner, H., 1982; Fressgemein-schaften auf Sandböden im Mittelmeer, Zool. Anz., Jena 5/6: 269-282.
Ribi G., 2003: Is Astropecten aranciacus an endangered species? Echinodermen-kongress, München, Oktober 2003.
Ribi G., H. Burla & P. Ochsner, 1976: Beobachtungen über Vorkommen, Abun-danzen und Körpergrößen von mediterranen Arten der Gattung Astropecten. Helgoländer wiss. Meeres-unters. 28: 304-317. 
Ribi G.& P. Jost, 1978: Feeding rate and duration of daily activity of Astropecten aranciacus in relation to prey intensity. Marine Biol. 45: 249-254.
Weber E., 1965: Eine fakultative Freßgemeinschaft von Fischen und Stachelhäutern. Z.Tierpsyhologie 22: 567-569.