BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

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Dr. Robert A. Patzner
Organismische Biologie
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BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Tauchexpedition in die chilenische Fjordregion

Christian Jorda
Waldesruhe 31, D-81377 München
ch_jorda@yahoo.de


Gleich geht's los

Ein Ruck geht durch unser Schiff: Die „YEPAYEK“ hat die Wand des Fjordes touchiert. Kapitän „Don Germán“ und seine Besatzung vertäuen das robuste kleine Schiff an einigen kleinen Bäumen, die in den Nischen der Steilwand wurzeln. Für uns ist dies das Signal, in unsere klammen Tauchanzüge zu steigen. Gleich werden wir mehr oder weniger elegant von der Bordwand in den Fjord springen.


Die "Yepayek" an der Mole der Hafenmeisterei
in Puerto Eden. Foto: C. Jorda ©

Viel Regen

Es regnet. Aber das ist hier normal. Wir sind in einer der feuchtesten Regionen dieser Erde. Weiter im Norden, auf Höhe der Insel Chiloé sind es rund 6000 mm Niederschlag im Jahr. Hier im Süden mag es etwas weniger sein. Doch jetzt, im März 2006, vergeht kein Tag ohne Regen. Aber es vergeht auch kein Tag, ohne zumindest einige Minuten Sonnenschein. Und so werden wir mit den schönsten Regenbögen belohnt. „Don Victor“, der Bootsmann, redet sehr wenig. Jetzt sagt er lächelnd „tiempo bueno“ – gutes Wetter – und er hat Recht, denn das Meer ist ruhig, die Sicht nicht schlecht.


Seeanemone Actinostola chilensis. Foto: C. Jorda ©

Die letzten Indianer

Die Landschaften, durch die wir fahren, sind atemberaubend: Ein Labyrinth von Fjorden und Kanälen. An vielen Stellen rauschen Bäche und Wasserfälle die steilen Hänge hinab und einige Male nähern wir uns den Gletschern des „Campo de Hielo Sur“, des „Südlichen Patagonischen Inlandeises“. Menschliche Siedlungen gibt es hier nur ganz wenige: Puerto Eden beispielsweise, ein kleines Nest mit 200 Einwohnern und nur mit dem Schiff erreichbar. Hier wohnen die letzten Nachkommen der Alacalufe-Indianer, einem Volk von Seenomaden, die Jahrtausendelang Kälte und Sturm getrotzt haben, dann aber der Begegnung mit unserer Zivilisation nicht gewachsen waren.

„Madre de Dios“ ist eine Steinbruch-Siedlung auf einer der Küste weit vorgelagerten Insel. Hier wird sehr reiner Kalkstein abgebaut. Im Kalk der Inseln fand man Höhlen mit Wandmalereien.


Pecten und Porzellankrebs zwischen Weichkorallen.
Foto: Michael Schrödl ©

Forschungsziel

Zweck unserer Reise ist es, die Benthosfauna und –flora dieser Region zu erforschen. Das heißt vor allem sammeln, einpacken und zum Teil weitergeben an Spezialisten. Während sich die Fjordlandschaft atemberaubend, aber karg zeigt, treffen wir unter Wasser eine Fülle bisher unbekannter Organismen an. Seit rund 5 Jahren wird diese Unterwasserwelt von den Biologen Dr. Vreni Häussermann und Günther Försterra im Auftrag der Stiftung Huinay (www.huinay.cl) erforscht. Sie haben bereits einige Expeditionen in entlegene Gebiete Chiles durchgeführt. Neben diesen beiden sind fünf weitere Biologen aus Belgien, Deutschland und den USA an Bord und teilen sich die bescheidenen Räumlichkeiten an Bord der „Yepayek“ mit der Besatzung. Fast zwei Wochen sind wir unterwegs und sammeln in dieser Zeit rund 1.000 Proben und viele Fotos. Anbei eine kleine Auswahl.



Nacktschnecke Tritonia sp. Foto: Michael Schrödl ©


Keine Muschel sondern der Brachyopode Magellania venosa.
Foto: C. Jorda ©


Seeanemone, Artzugehörigkeit unsicher.
Foto: Michael Schrödl ©

Essen an Bord

Es war keine leichte Zeit an Bord, denn das Wetter war nicht immer gut, das Essen dagegen fast immer schlecht. Wir hatten es versäumt, einen guten Koch mitzunehmen. Unsere wissenschaftlichen Leiter, Asketen durch und durch, waren der Meinung, dass wir zum Essen ohnehin keine Zeit haben, vielleicht höchstens abends … Dennoch war die Stimmung meist gut und mit etwas Galgenhumor war alles gut zu ertragen. Die großartigen Über- und Unterwasserlandschaften entschädigten uns für manche Entbehrungen.

Literatur

In einigen Monaten wird ein von der Stiftung Huinay (www.huinay.cl) herausgegebenes Buch über die Meeresfauna der chilenischen Fjordregion erscheinen.
Hier folgt eine Auswahl von links mit Publikationen verschiedener Autoren:
http://www.zsm.mwn.de/mol/pub_schroedl.htm
http://people.freenet.de/haeussermann/
Index.htm#publpro

http://people.freenet.de/foersterra/#project