BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Fund eines Rapfens (Aspius aspius) im Bereich der unteren Salzach

Wolfgang Petz &
Regina Petz-Glechner
TB Umweltgutachten Petz, Hallwanger Landesstr. 32a, A-5300 Hallwang
petz@umweltgutachten.at

Rapfen oder Schied

Der Rapfen – wie er in Österreich und im süddeutschen Raum bezeichnet wird - oder Schied – wie er weiter nördlich heißt - wird meist 50 bis 75 cm lang, kann aber eine Länge von bis zu einem Meter bei einem Gewicht von 9 kg erreichen. Der Lebensraum dieses im Adultstadium ausschließlich räuberisch lebenden Karpfenfisches sind größere, langsam fließende Flüsse, Altarme und Mündungsbereiche. Zur Laichzeit im Frühjahr bis Frühsommer wandert er flussaufwärts oder in Seitengewässer und sucht kiesige Gewässerabschnitte mit rascher Strömung auf. Die Geschlechtsreife erreichen beide Geschlechter relativ spät, nämlich erst mit 4 bis 5 Jahren. In der aktuellen Überarbeitung der Roten Liste Österreichs (Wolfram & Miksch, 2006) wird der Rapfen als stark gefährdet (endangered) eingestuft. Die weltweite Rote Liste nennt aufgrund mangelnder Datenlage keine Einstufung (data deficient; IUCN 2006).

Historisches in Salzburg

Die Salzach, der größte Fluss des Bundeslandes Salzburg, beheimatete in seinem Unterlauf einst an die 40 Fischarten. Davon gilt heute etwa ein Drittel als ausgestorben bzw. verschollen (Petz-Glechner, 2003). Eine dieser verschwundenen Arten ist der Rapfen oder Schied (Aspius aspius) (Bohl, 1994; Petz-Glechner & Petz, 2004). Genaue Angaben über historische Salzburger Vorkommen dieser Fischart sind schwer erhältlich, da auch der Hasel (Leuciscus leuciscus) als Schied bezeichnet wurde und im angrenzenden Oberösterreich mit Schied die Rußnase (Vimba vimba) gemeint ist (Heckel 1854). Kollmann (1898), der zum Recherchieren für seine Fischereikarte auf die Befragung der Berufsfischer angewiesen war, ergänzte wahrscheinlich zur Angabe "Schied" den damals gebräuchlichen, wissenschaftlichen Namen Aspius rapax und vermerkte Vorkommen in den Trumerseen sowie im Wolfgangsee. Vermutlich handelt es sich dabei um Namensverwechslungen (vgl. auch Gassner et al., 2003). Der eigentliche Schied oder Rapfen war aber sicherlich ebenfalls im Bundesland Salzburg beheimatet (Zetter, 1859;Wamser, 1996; Spindler, 1997) und dürfte bis Ende des 19. Jahrhunderts gar nicht selten gewesen sein, da er wie alle fischereiwirtschaftlich genutzten Fische eine Schonzeit hatte (Salzburger Fischereiverordnung, 1890). Nach Heckel & Kner (1858) kam er "in der Umgebung von Salzburg" vor. Nachdem die Salzach unterhalb der Stadt Salzburg mit ihren ausgedehnten Auen und kommuni-zierenden Flussmündungen ursprünglich einen adäquaten Lebensraum für diese Fischart dargestellt hat, ist von einem früheren Vorkommen des Rapfens in diesem Gewässersystem auszugehen.



Rapfen aus der unteren Oichten
August 2006, Flachgau, Salzburg.
Foto: TB Umweltgutachten Petz ©

 

 

Dieser Beitrag ist in etwas veränderter Form bereits publiziert worden:

Petz W. & R. Petz-Glechner, 2006: Neues zum Vorkommen des Schieds (Aspius aspius) in der Salzach. Österr. Fischerei 59: 239-241.

Petz W. & R. Petz-Glechner, 2006: Neues zum Vorkommen des Schieds (Aspius aspius) in der Salzach. Salzburgs Fischerei 37/4: 24.

Wiedereinbürgerung

Im Jahr 2000 wurde durch den Salzburger Sportfischereiverein ein einmaliger Initialbesatz mit 3 bis 4 cm kleinen Rapfen in die Salzach im Bereich der Oichtenmündung oberhalb von Oberndorf eingebracht. Daraufhin gab es aber 6 Jahre lang kein Lebenszeichen dieser Fischart – sie galt weiterhin als verschollen. Ende August 2006 wurde nun bei einer Fischbestandsaufnahme im Unterlauf der Oichten durch das TB Umweltgutachten Petz im Auftrag der Republik Österreich, Bundeswasserbau-Verwaltung beim Amt der Salzburger Landesregierung, neben zahlreichen anderen Fischarten auch ein 58 cm langes und 1,75 kg schweres Exemplar eines Rapfens gefangen. Wenn dieses Individuum von der Besatzaktion aus dem Jahr 2000 stammt, steht es nun im 7. Sommer, was im Vergleich zur Länge von Rapfen aus anderen Fließgewässern plausibel ist (Reichenbach-Klinke 1962).

Aspius aspius wird im Anhang II der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (Richtlinie 92/43/EWG) geführt. Sein Vorkommen in der unteren Salzach bzw. der Oichten ist somit auch für das Natura-2000-Gebiet der Salzachauen von Bedeutung. Wenn auch der Nachweis natürlicher Reproduktion (noch) nicht erbracht werden konnte, so ist der Fund doch aus mehreren Gesichtspunkten von Interesse: Es wird belegt, dass sich diese Fischart in der Salzach bzw. der Oichten halten kann und das Potenzial dieser Gewässer trotz der erlittenen Eingriffe noch sehr groß ist. Besatzmaßnahmen sind sinnvoll, sollten aber über mehrere Jahre erfolgen. Im konkreten Fall sollten aber die Maßnahmen des Projektes "Sanierung Untere Salzach" (z.B. Anbindung weiterer Nebengewässer) abgewartet werden. Der Fund lässt außerdem hoffen, insbesondere in Hinblick auf die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen in diesem Bereich, dass auch andere einstmals verschollene Fischarten wieder zum Vorschein kommen oder erfolgreich wieder angesiedelt werden können.

Literatur

Bohl, E. (1994): Untersuchungen zur Fischfauna und ihren Lebensgrundlagen in der unteren Salzach und ihren Nebengewässern. Münchner Beiträge zur Abwasser-, Fischerei- und Flussbiologie 48: 197-218.
Gassner, H., Zick, D., Wanzenböck, J., Lahnsteiner, B. und Tischler, G. (2003): Die Fischartengemeinschaften der großen österreichischen Seen. Schriftenreihe des BAW 18, Wien.
Heckel, J. (1854): Die Fische der Salzach. Verh. Zool.-Bot.Ver. Wien 4: 189-196.
Heckel, J. und Kner, R. (1858): Die Süßwasserfische der österreichischen Monarchie. Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig, 388 pp.
IUCN (2006): IUCN Red List of Threatened Species. www.iucnredlist.org.
Kollmann, J. (1898): Karte der Fischarten vom Land Salzburg.
Petz-Glechner, R. (2003): Die Fische der Salzach. In: Winding, N. und Vogel, D. (Hrsg.): Die Salzach. Wildfluss in der Kulturlandschaft. Kiebitz Verlag, Vilsbiburg, S. 74-79.
Petz-Glechner, R. und Petz, W. (2004): Die historische Fischfauna Salzburgs. Ber. nat.-med. Ver. Salzburg 14: 95-120.
Reichenbach-Klinke, H.-H. (1962): Wachstumsuntersuchungen an Donaufischen. Arch. Hydrobiol., Suppl. XXVII: 57-71.
Salzburger Fischereiverordnung (1890): Verordnung der Landesregierung in Salzburg 1. Mai 1890, Z. 3610, betreffend die fischereipolizeilichen Durchführungs-Bestimmungen zum Fischereigesetze 25. Februar 1889 (LGB Nr. 18). In: Manz'sche Taschenausgabe der österreichischen Gesetze, Band 25: Gesetze betreffend Jagd, Vogelschutz und Fischerei. 1898. Manz'sche k. u. k. Hof-Verlags- u. Universitäts-Buchhandlung, Wien, 890 pp.
Spindler, T. (1997): Fischfauna in Österreich. Umweltbundesamt Monographien 87, 140 pp.
Wamser, W. (1996): Vergleich der fischökologischen Verhältnisse der Unteren Salzach und der Oberen Drau unter besonderer Berücksichtigung der uferstrukturellen Ausgestaltung. Diplomarbeit, Universität für Bodenkultur, Wien, 99 pp.
Wolfram, G. und Mikschi, E. (2006): Rote Liste der Fische (Pisces) Österreichs. In: Zulka, K. P. (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere Österreichs, Teil 2. Grüne Reihe des Lebensministeriums Band 14/2. Böhlau-Verlag, Wien (in Vorb.).
Zetter, M. (1859): Salzburgs Fische. Vorwort zu der Fisch-Sammlung des Herrn Josef Aigner in Salzburg. Jahresbericht Carolinum Augusteum, 72-92.