BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

HOME

 

Impressum:
Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

Adresse der Redaktion:
Dr. Robert A. Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

Informationen über BUFUS --> mehr


--> zurück zum Inhalt von Nummer 36 (2006)


Der Herzog-Lippfisch (Bodianus anthioides)
als Putzer und Kommensale


Horst Moosleitner

Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, A-5020 Salzburg
homosub@aon.at


Schweinslippfische

Der Herzog- oder Zweifarben-Lippfisch ist im Indo-Pazifik weit verbreitet und zählt zu jener Gruppe der Familie Labridae, die von allen anderen Arten (die im Englischen „wrasses“ genannt werden) durch einen eigenen Beinamen nämlich „Schweinslippfisch“ (engl. hogfish) unterschieden wird. Die Schweinslippfische der Gattung Bodianus erkennt man speziell an den 12 Hartstrahlen der Rückenflosse und einem vorne unbeschuppten Kopf. Erwachsene B. anthioides sind farblich zweigeteilt: die vordere Körperhälfte ist braun oder rötlich-braun, die hintere weiß mit kleinen schwarzen Punkten und zwei schwarzen Linien, die von den Schwanzspitzen bis etwa in die Analgegend nach vorne ziehen und sich dort in Punktereihen auflösen.

Jungfische sind sehr hell, haben aber bereits eine hell rot-braune Kopf-Brustregion und sind rückwärts nahezu durchsichtig weiß mit winzigen schwarzen Punkten; auch die Schwanzstreifen sind schon erkennbar, meist aber teilweise braun. Sie besitzen aber im Verhältnis zu erwachsenen Tieren lange, hohe Flossen. Diese Jungfische von 2 bis 5 cm Länge leben bevorzugt an steilen Riffwänden ab ca. 20 m Tiefe und verstecken sich dort gerne zwischen den Ästen verzweigter Schwämme oder Korallen (Acropora, Antipathes).

als Putzer

Ich staunte nicht schlecht, als ich beim Tauchen im Roten Meer, etwa 20 km südlich von Qusier (=Kosseir) einige dieser Jungfische aus ihren Verstecken hervorschwimmen und andere Fisch (speziell Pseudanthias squamipinnis) putzen sah (Abb. 1). Aus dem ostasiatischen, Zentral-Indo-Pazifischen Raum wurden bereits Putzaktionen dieses Fisches gemeldet (Kuiter & Debelius 1994, Eichler & Myers 1997, Moosleitner 2005), doch noch nicht aus dem westlichen Indischen Ozean und auch nicht aus dem Roten Meer. Dies mag vielleicht darauf beruhen, dass die putzenden Jungfische sehr klein und unauffällig sind und so wohl übersehen wurden.


Abb. 1. Bodianus anthoides, beim Putzen von Pseudanthias squamipinnis. Foto H. Moosleitner ©

Aller Wahrscheinlichkeit nach haben aber schon zahlreiche Taucher diese Putzsymbiose gesehen, aber es wurde meines Wissens nach nichts darüber veröffentlicht. Jungfische des nahe verwandten Bodianus diana wurden wesentlich häufiger beim Putzen beobachtet; sie werden nämlich größer und putzen bis sie etwa 10 cm lang sind und fallen daher eher auf. Die „echten“ Putzerfische sind ja meist sehr auffällig gefärbt, um sich zu präsentieren und so Kunden anzulocken.

als Kommensalen

Wie viele andere Lippfische auch kommuniziert B. anthioides nicht nur in seiner Jugend mit anderen Fischen, sondern er zeigt auch erwachsen eine vielen Lippfischen typische Eigenschaft: Er schließt sich gerne wühlenden Fischen (Barben, Rochen) an und wartet geduldig darauf, dass diese Kleintiere freilegen, die dann für ihn leichte Beute werden, ohne dass er eigene Such- und Grabeleistungen zu erbringen hat, für die er auch gar nicht ausgestattet ist. Bei dieser Tätigkeit „vergisst“ er sogar auf seine Vorliebe für Felswände und folgt als Kommensale den Bodenwühlern auf Sandflächen hinaus, wenn er auch immer die Nähe von festem Boden im Auge behält. Ich sah im Roten Meer erwachsene B. anthioides im Gefolge des Stechrochens Taeniura lymna und der Meerbarbe Parupeneus forsskali (Abb. 2). Einmal folgten sogar zwei B. anthioides sowie Halichoeres hortulanus und einige Coris caudimacula einem T. lymna (Abb. 3).


Abb. 2. Bodianus anthoides als Kommensale der
Meerbarbe Parupeneus forskali. Foto H. Moosleitner ©


Abb.3. Bodianus anthoides als Kommensale des Rochens
Taenius lyra. Foto H. Moosleitner ©

 

Literatur

Eichler D. & R.F. Myers, 1997: Korallenfische, Zentraler Indopazifik. Verlag Tauchen, Hamburg, p. 298

Kuiter R.H. & H. Debelius, 1994: Fischführer Südost-Asien. IKAN Verlag, Frankfurt, p. 218

Moosleitner H. 2005: Interspecific associations of elasmobranchs and teleosts with special regard to benthic species. Zeitschrift für Fischkunde 7: 121-136.