X

 

BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

HOME

 

Impressum:
Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

Adresse der Redaktion:
Dr. Robert Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

Informationen über BUFUS
--> mehr


 

--> zurück zum Inhalt von Nummer 38 (2007)


Clownfische und Seeanemonen in den Korallenriffen der Malediven

Robert A. Patzner
Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstrasse 34, A-5020 Salzburg
robert.patzner@sbg.ac.at


Einleitung

Die Symbiose zwischen Clownfischen und Anemonen im Indopazifischen Bereich ist schon seit über 100 Jahren bekannt (Patzner & Debelius, 1984). In den Riffbereichen der Malediven sind zwei Arten von Clownfischen regelmäßig anzutreffen. Es handelt sich um den Clarks Anemonenfisch Amphiprion clarkii (Abb. 1) und um den Malediven-Anemonenfisch Amphiprion nigripes (Abb. 2). Letzterer gilt als endemisch für die Malediven, man findet ihn aber auch bei Sri Lanka (Fautin & Allen, 1992). Eine dritte Clownfisch-Art, die bei den Malediven vorkommt, ist der Indische Anemonenfisch Amphiprion sebae. Er lebt mit einer Anemonenart zusammen, die nur am Sandboden anzutreffen ist. Da bei unserer Riff-Expedition nur Korallenriffe und keine Sandböden untersucht wurden, habe ich diese Art nicht finden können.


Abb. 1. Clarks Anemonenfisch Amphiprion clarkii ist auf verschiedenen Arten von Anemonen anzutreffen.
Foto: Robert A. Patzner ©


Abb. 2. Der Malediven-Anemonenfisch Amphiprion nigripes ist endemisch auf den Malediven und lebt nur mit Heteractis magnifica in Symbiose.
Foto: Robert A. Patzner ©

Methode

Im März 2007 wurden währen der ‘Expedition of Maldives 2007’ 173 Anemonen und deren Bewohner in 24 Transekten des Nord Male Atolls, Rasdhoo Atolls, Ari Atolls und Süd Male Atolls untersucht. Beobachtungen wurden mit Preßlufttauchgeräten in einer Wassertiefe zwischen 1 und 15 m vorgenommen. Folgende Parameter wurden festgehalten: Amphiprion-Art, Anemonenart, Größe der Anemone, Wassertiefe (in Stufen von 1 – 4.9 m, 5 – 9.9 m und 10 - 15 m), Anzahl der adulten Amphiprion, Anzahl der juvenilen Amphiprion (3 Größenklassen) und Zahl der Anemonen pro 1.000 m² (nach Chadwick & Arvedlund, 2005).  

 

Weitere Infos

Die Route der Expedition 2007 findet man --> HIER

Weitere Information über die Expedition findet man --> HIER

Untersuchungen

Die Auswertungen haben ergeben, dass Amphiprion clarkii mit mehreren Arten von Anemonen in Symbiose lebt, A. nigripes hingegen nur mit einer (Abb. 3). Von A. clarkii werden die Arten Stichodactyla mertensii und Heteractis aurora bevorzugt; Heteractis magnifica, die einzige Anemone, in der A. nigripes lebt, wurde jedoch selten angenommen.

In wenigen Ausnahmefällen wurde beobachtet, dass in einer H. magnifica neben mehreren Individuen von A. nigripes auch Einzeltiere von A. clarkii anzutreffen waren (Abb. 4). Eine Seltenheit, die wohl auf den starken Rückgang der Anemonen nach der Korallenbleiche Zurückzuführen ist. Bereits Loch & Loch (1999, 2003) haben auf diese Tatsache aufmerksam gemacht. Im Verlauf der ganzen Expedition wurde keine einzige Anemone gefunden, die nicht zumindest von einem Clownfisch besetzt war. Auch das ist ein Zeichen von „Anemonenmangel“.

H. magnifica bildet gelegentlich Klone von mehreren Individuen, die zu großen Feldern anwachsen können. Diese sind nur von A. nigripes besetzt, die gelegentlich zwischen mehreren Anemonen hin und her schwimmen. Ein großes Feld wurde vermessen und ausgezählt: Auf einer Fläche von 10,5 m mal 5,5 m fanden sich 57 Anemonen. Neben Clownfischen leben noch einige andere Fische in Partnerschaft mit den Anemonen (Loch & Loch, 1999; Arvedlund et al., 2006). Dieses Zusammenleben ist jedoch weniger intensiv, als das mit den Amphiprion-Arten. Außer den ebenfalls zu den Riffbarschen gehörenden Dreifleck-Preußenfisch Dascyllus trimaculatus fand ich noch mehrere Arten von Lippfischen, die sich im Tentakelbereich aufhielten.


Abb. 3. Prozentueller Anteil von Anemonenarten, die mit A. clarkii und mit A. nigripes auf den Malediven in Symbiose leben. C. a. = Cryptodendrum adhesivum, E. q. = Entacmaea quadricolor, H. a. = Heteractis aurora, H. m. = Heteractis magnifica, S. m. = Stichodactyla mertensi.


Abb. 4. Selten findet man beide Amphiprion-Arten zuisammen auf einer Anemone.
Foto: Robert A. Patzner ©

Literatur

Arvedlund M., K. Iwao, T.M. Brolund & A. Takemura, 2006: Juvenile Thalassoma amblycephalum Bleeker (Labridae, Teleostei) dwelling among the tentacles of sea anamones: A cleanerfish with an unusual client? J. exp. Mar. Biol. Ecol. 329: 161–173.
Chadwick N.E. & M. Arvedlund, 2005: Abundance of giant sea anemones and patterns of association with anemonefish in the northern Red Sea. J. Mar. Biol. Ass. U. K. 85: 1287-1292.
Fautin D.G. & G.R. Allen, 1992: Anemonefishes and their host sea anemones. Western Australian Museum, Perth.
Loch K. & W. Loch, 1999: Symbioseanemonen - Beobachtungen in maledivischen Korallenriffen. Das Aquarium 360: 35-42.
Loch K. & W. Loch, 2003: Kombinierte Symbiose von Amphiprion clarkii und A. nigripes mit Stichodactyla mertensii. Das Aquarium 403:39-41.
Patzner R.A. & H. Debelius, 1984: Partnerschaft im Meer. Pfriem Verlag, Wuppertal.