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BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

Adresse der Redaktion:
Dr. Robert Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Korallenbedeckung und Weidegänger in den Riffen der Malediven

Horst Moosleitner
Organismische Biologie, Universität Salzburg
homosub@aon.at


Einleitung

Während der Internationalen Malediven-Expedition im März 2007 wurden u.a. die Weidegänger unter den Fischen (Scaridae und Acanthuridae) an ausgewählten Riffen des Nord- und Südmale-Atolls sowie des Ari Atolls in von den Korallenspezialisten ausgewählten und abgesteckten Transekten ermittelt.

Methoden

Mittels Gerätetauchens wurden jeweils an der strömungsexponierten und an der strömungsabgewandten Seite der ausgewählten Riffe, stets in drei hintereinander liegenden 20 m langen und 5 m breiten Transekten die Fische gezählt und mit Bleistift auf wasserfestem Papier deren Namen und Anzahl notiert. Die Ergebnisse wurden mit den von den Korallenspezialisten ermittelten Daten der prozentuellen Korallenbedeckung verglichen und Bezüge zum Vorkommen der Weidegänger hergestellt (siehe Loch et al. 2007: BUFUS-Info 37).


Abb. 1. Chlorurus strongylocephalus beim Abweiden von Korallen.
Foto: Horst Moosleitner ©


Abb. 2. Fraßspuren von Papageifischen an einer Porites-Koralle.
Foto: Robert A. Patzner ©

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Untersuchungen

Stellt man die Korallenbedeckung eines Riffs in Prozenten dar und stellt diese in Korrelation zur Anzahl an Weidegängern („grazer“) unter den Fischen, den Papageifischen (Scaridae, Abb. 1, 2) und Doktorfischen (Acanthuridae, Abb. 3), so kommt man zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen: Einerseits findet man die allgemein geäußerte Meinung bestätigt, dass an Riffen mit dichtem Korallenbewuchs (Abb. 4) nur wenige Weidgänger vorkommen, im Gegensatz zu Riffen mit geringer Korallenbedeckung, wo die Anzahl der „grazer“ wesentlich größer ist, oft sogar ein Vielfaches davon beträgt (Abb. 5). Untersucht man aber eine größere Zahl von Riffen, so erkennt man, dass es öfter ganz anders ist, dass z.B. an Plätzen mit dichter Korallenbedeckung ebenso viele, wenn nicht mehr Weidegänger vorkommen, als an solchen mit geringem Korallenwuchs (Abb. 6, 27A/B). Oft ist es auch so, dass an der strömungsexponierten Seite mehr Fische anzutreffen sind, als an jener, die der Strömung abgewandt ist, unabhängig von der Korallenbedeckung (Abb. 6, 27C/D). Es stellt sich auch heraus, dass die Anzahl der Papageifisch-Individuen wenig Aussagekraft besitzt, da die Tiere nur in geringer Zahl (ca. 1 –10 pro Transekt = 100 Quadratmeter) vorkommen und je nachdem, ob sich gerade eine Gruppe dieser umherziehenden Fische im Transekt befindet oder nicht, ein erhöhter oder ein niedrigerer Durchschnitt entsteht. Insgesamt kann daher gesagt werden, dass die Korallenbestände unabhängig von der Strömungsexposition unterschiedlich dicht sind und ebenso die Fischbestände einmal auf der Luv- und einmal auf der Leeseite größer sein können. Zumindest bei sehr geringer Korallenbedeckung scheint sich abzuzeichnen, dass weitere Faktoren wie die Strömungsexposition und wahrscheinlich noch weitere, von uns nicht erhobene Faktoren einen wichtigen Einfluss auf die Fischpopulation haben.


Abb. 3. Acanthurus lineatus ernährt sich von Algen.
Foto: Horst Moosleitner ©

 

Abb. 4. Hohe Korallenbedeckung und wenige Weidegänger. - - - - - Abb. 5. Geringer Korallenbewuchs und vielen Weidegänger.

Abb. 6. Riff 27A/B: Trotz hoher Korallendichte gibt es hier sehr viele Weidegänger. Riff 27C/D: Bei geringem Korallenbewuchs
wurden auf der strömungsexponierten 27C-Seite mehr Fische gezählt, als auf der Leeseite (27/D).