BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Meeresvögel an südafrikanischen Küsten

Frank Velte
Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaften, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Franfurt/M.
und Vivarium Darmstadt, 64287 Darmstadt
Marlin1904@aol.com


Allgemeines

Südafrikas Tierwelt ist ein merkwürdiges Gemisch aus zentralafrikanischen, subantarktischen und endemischen Faunenelementen. Die Vogelwelt rund um das Kap der Guten Hoffnung spiegelt dieses Artenkonglomerat wider. Der nachfolgende Bericht stellt einige Meeresvogelarten, die während einer Reise im Frühjahr 2005 (somit im südafrikanischen Herbst) in der Kapregion beobachtet wurden, vor.

Möven

Der erste Meeresvogel, dem man in Kapstadt begegnet, ohne das Meer zu sehen, ist Hartlaub´s Möve (Larus hartlaubi). Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Kap Agulhas, dem südlichsten Punkt Afrikas, bis zu den Küsten des nördlichen Namibias (Branch et al 2002). Selbst im Zentrum von Kapstadt, aber auch in den Außenbereichen dieser Metropole trifft man diesen Vogel, immer in kleinen Trupps, an. In den Parkanlagen oder am Hafen lassen sich diese wenig scheuen Tiere sogar von Besuchern füttern. Eine weitere Anpassung an das „Stadtleben“ der Hartlaub´s Möwe wurde in Kapstadt beobachtet. Wenn am Abend die Straßenbeleuchtung angeht, wurde sie beim Fangen von Insekten beobachtet, die sich im Lichtstrahl sammeln. Die Hartlaub´s Möwe ist also teilweise nachtaktiv geworden (Payne & Crawford 1992).
Wesentlich häufiger trifft man in der Kapregion auf die Dominikaner- oder Kelpmöwe (Larus dominicanus) (Abb. 1). Mit bis zu 60 cm Körperlänge ist sie die größte Möwe des südlichen Afrikas. Sie hat ein riesiges Verbreitungsgebiet, welches von den südamerikanischen bis zu den südafrikanischen Küsten sowie nach Australien und Neuseeland reicht. Sie ist auch die einzige Möwe, die in der Antarktis brütet. Ökologisch vertritt die Dominikanermöwe auf der Südhalbkugel die Mantelmöwe der nördlichen Hemisphäre. Beide Arten sehen sich zum Verwechseln ähnlich, doch wird die Mantelmöwe noch ein ganzes Stück größer als ihr südliches Pendant. Man trifft die Dominikanermöwe in den unterschiedlichsten Habitaten an. In stark verschmutzten Militärhäfen (wie in Simonstown), an Wind umpeitschen Felsklippen (wie am Kap der Guten Hoffnung) oder an lang gezogenen Sandstränden (wie an der Wilderness Beach, in der östlichen Kapprovinz), Dominikanermöwen sind an südafrikanischen Küsten allgegenwärtig. Als Nahrung dienen ihr neben Aas, verschiedene Mollusken, Eier und Küken anderer Vogelarten und menschlicher Abfall. Größere Muscheln, die sie nicht öffnen kann (wie z. B. die Südafrikanische Miesmuschel, Choromytilus meridionalis), nimmt sie in den Schnabel, fliegt in die Luft und lässt sie fallen und auf Felsen zersplittern (Branch et al. 2002). Am Kap der Guten Hoffnung konnte ich Dominikanermöwen beobachten, wie sie in angespülten Braunalgen nach Nahrhaftem, wahrscheinlich kleineren Tieren, pickten. Der zweite Name dieser Art – Kelpmöwe – findet somit auch seine Berechtigung.


Abb. 1. Dominikanermöwen an der Wilderness Beach.

Boulders Beach

Nur wenige Kilometer südlich von Kapstadt liegt Simonstown, ein kleines Städtchen mit einem Marinestützpunkt, sowie einer ornithologischen Attraktion – der Brillenpinguin (Spheniscus demersus)-Kolonie in Boulders Beach (Abb. 2). 1984 wurde das erste Paar dieser flugunfähigen Vögel dort entdeckt, ein später wurde die erste Brut aufgezogen. Mittlerweile zählt die Kolonie rund 1500 Brutpaare. Bedingt durch ein Fangverbot für Sardinen in der False Bay, an der Simonstown liegt, veränderte sich die Nahrungsgrundlage für Brillenpinguine deutlich zum Guten. Nur in wenigen Jahren bekommen Fischer eine limitierte Fangerlaubnis für den beliebten Speisefisch. Ein weiterer Grund für den starken Anstieg der Kolonie, dürfte das Fehlen der meisten Prädatoren sein. Leoparden und Schabrackenschakale kommen auf der Kap-Halbinsel nicht mehr vor, Ginsterkatzen gibt es nur noch wenige und die nächste Kolonie des Südafrikanischen Seebären ist weit weg. Lediglich Weiße Haie und Schwertwale kommen in der False Bay regelmäßig vor und nutzen Brillenpinguine als Beute. Die Kolonie von Boulders Bay ist zur Stadtseite hin abgezäunt und wird von Rangern überwacht. Besucher dürfen auf ausgewiesen Pfaden durch die Kolonie laufen und die Pinguine beobachten. Brillenpinguine sind endemisch im südlichen Afrika. Sie kommen von der Algoa-Bucht bei Port Elizabeth im Osten bis nach Namibia im Westen vor. Mit rund 180.000 Exemplaren und einem jährlichen Bestandsrückgang von 2 % wird der Brillenpinguin von der IUCN als „verletztlich“ eingestuft (Hockey 2001).


Abb. 2. Ein Teil der Brillenpinguinkolonie von Boulders Beach.

Kormorane

Der Kap-Kormoran (Phalacrocorax capensis) ist endemisch im südlichen Afrika (Abb. 3). Von Namibia bis zur östlichen Kapprovinz bei Port Elizabeth liegen seine Brutvorkommen (Payne & Crawford 1992). Ich konnte diese rein schwarzen Tiere allerdings nur am Kap der Guten Hoffnung beobachten. Dicht gedrängt und vergesellschaftet mit dem Weißbrustkormoran, ruhten sie auf Felsen und Klippen an und im Meer. Kap-Kormorane sind gebunden an Meeresküsten und leben nicht an Binnengewässern, wie andere Kormoranarten. Raubfeinde sind daher vorwiegend Meerestiere wie Südafrikanische Seebären und Weiße Haie (Marks et al. 1997, Johnson et al 2006). Anfang der 1990er Jahre wurde die Population der südafrikanischen Westküste von der Vogelcholera befallen und dezimierte diese um 16 % (Crawford et al. 1992). In den letzten 25 Jahren ging die Gesamtpopulation des Kapkormorans von ehemals über einer Million Vögel auf 250.000 Individuen zurück (Branch et al. 2002). Noch gibt es diese Tiere in ausreichender Zahl. Doch scheint es notwendig bei der zunehmenden Überfischung der südwestafrikanischen Gewässer die Populationsdynamik des Kapkormorans im Auge zu behalten. Der Weißbrust-Kormoran (Phalacrocorax carbo lucides) präsentiert die afrikanische Unterart unseres einheimischen Kormorans. Man findet ihn nicht nur an felsigen Meeresküsten, wie dem Kap der Guten Hoffnung, sondern auch an Binnengewässern (Branch et al. 2002). Selbst vor lang gezogenen Sandstränden ist er zu beobachten, wenn er seine Tauchgänge nach kleinen Fischen unternimmt. Als an einem späten Nachmittag ein Weißer Hai vor der Wilderness-Beach patrouillierte, war keiner dieser Wasservögel im Meer zu sehen. Alle ruhten an Land - aus gutem Grund.


Abb. 3. Kap- und Weißbrustkormorane auf einem Felsen am Kap der Guten Hoffnung.

Austernfischer

Vertreter der Gattung Haematopus findet man an vielen gemäßigten und subtropischen Küsten. Der Afrikanischer Austernfischer (Haematopus moquini) kommt von der Ostküste Südafrikas bis nach Namibia, in Ausnahmefällen auch bis nach Angola vor (Abb. 4). Mit dem schwarzen Federkleid und dem kräftigen roten Schnabel ist er unverwechselbar. Zwar frisst er keine Austern wie es sein Name vortäuscht, dafür aber andere Muscheln und Schnecken, sowie Würmer. Mit einem Weltbestand von nur 5000 bis 6000 Individuen, ist er einer der am stärksten bedrohten Vögel der Kap-Region (Branch et al. 2002). Man soll ihn meist in Paaren oder im Winter in Trupps mit bis zu 100 Vögeln sehen, doch konnte ich den Afrikanischen Austerfischer immer nur als Einzeltier beobachten. Möglicherweise hatte dies mit der Jahreszeit, dem südafrikanischen Herbst, zu tun. Zu dieser Zeit ist das Brutgeschehen beendet und die Winterschwärme haben sich noch nicht zusammen gefunden. Diese Vögel kommen nicht nur an sandigen Küstenabschnitten vor, sondern leben auch an Felsküsten, sofern sie horizontale Geländeabschnitte aufweisen. Daher war dieser Vogel auch auf der Kap-Halbinsel zu beobachten.


Abb. 4. Der Afrikanische Austernfischer, eine bedrohte Art.

Literatur

Branch, G. M., Griffiths, C. L., Branch, M. L. & L. E. Beckley, 2002: Two Oceans – A guide to the marine life of Southern Africa. ABC Press, Kapstadt.
Crawford, R. J. M., Allwright, C. D. M. & C. W. Heyl, 1992: High mortality of Cape cormorants (Phalacrocorax capensis) off western South Africa in 1991 caused by Pasteurella multocida. Col. Waterbirds 15: 236-238.
Hockey, P., 2001: The African Penguin – a natural history. Struik Publ., Kapstadt.
Johnson, R. L., Venter, A., Bester, M. N. & W. H. Oosthuizen, 2006: Seabird predation by White Shark Carcharodon carcharias and Cape fur seal Arctocephalus pusillus pusillus at Dyer Island. S. Afr. J. Wildl. Res. 36: 1-10.
Marks, M. A., Brooke, R. K. & A. M. Gildenhuys, 1997: Cape fur seals Arctocephalus pusillus predation on Cape cormorants and other birds at Dyer Island, South Africa. Mar. Ornithol. 25: 9-12.
Payne, A.I.L. & R. J. M. Crawford, 1992: Secrets of the Seas. Vlaeberg Publ., Kapstadt.