BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

Adresse der Redaktion:
Dr. Robert Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Die Schwarze Lacke von Filzmoos (Salzburg)

Romana Wimmer & Robert A. Patzner
Universität Salzburg, FB Organismische Biologie, Hellbrunner Str. 34, 5020 Salzburg
romana.wimmer@sbg.ac.at & robert.patzner@sbg.ac.at


Einleitung

Die Schwarze Lacke in Filzmoos ist ein kleiner Moorsee, der sich auf dem Weg von Filzmoos nach Neuberg direkt am Wanderweg befindet (Abb. 1). Die Natur wurde bis auf den Bau von einem Steg bis zum Ufer der Lacke so belassen, wie sie aufgefunden worden war. Die Gemeinde legt sehr viel Wert auf dieses außergewöhnliche Biotop und hat es deshalb zu einem Punkt auf der Wanderroute durch Filzmoos gemacht, der unbedingt einmal gesehen werden muss und der zum Erlagen der Goldenen Wandernadel unabdingbar ist.
Mit dem Namen „Schwarze Lacke“ werden dunkel gefärbte Kleingewässer mit oder ohne Zufluss bezeichnet. Dieses kleine Gewässer ist umrankt von Mythen und Märchen (SALCHEGGER 1994).

Die Lacke ist ein Hochmoorgewässer und wird vom Regenwasser gespeist. Sie führt ständig zwischen 70 und 80 cm Wasser (MANDLER 2007). Es gibt keine Zuflüsse. Dies ist auf den geologischen Untergrund zurückzuführen, der aus Quarzit besteht (MANDL 1998). Weiters befindet sich dort Tonschiefer. Diese Kombination führt zu der Hochmoorbildung und ist der Grund dafür, dass es keine Grundwasserspeisung gibt. Die Gesteine sind zu dicht und zu undurchlässig (MANDLER 2007).


Abb. 1. Nebelschwaden über der Schwarzen Lacke. Sie liegt am Weg von Filzmoos nach Neuberg. Foto: R. Wimmer ©


Abb. 2. Die Probenahmen für die Untersuchungen der im Wasser lebenden Kleintiere, der chemisch-physikalischen Parameter und
der Wassertiefe erfolgten mit einem kleinen Schlauchboot.
Foto: R. Wimmer ©

Datenerhebung

Faunistische Probenahme
Um lebenden Kleintiere – das sogenannte Makrozoobenthos - zu untersuchen, wurden im Frühjahr 2009 mehrere Proben entnommen (Abb. 2).
Da Libellen unter Naturschutz stehen, wurden die im Wasser lebenden Larven und die frei fliegenden Tiere nicht gefangen sondern nur fotografisch festgehalten.

Chemisch-physikalische Parameter
Messungen von Leitfähigkeit, Sauerstoff und pH-Wert wurden an drei signifikanten Stellen der Lacke durchgeführt.

Wassertiefe
Die Messung der Tiefe wurde mit Hilfe eines Lotes von einem Schlauchboot aus durchgeführt (Abb. 2). Im Verlauf der Messungen ist auch der Wasserstand bzw. der Wasserpegel der Lacke mit einer Wasserlatte überwacht worden.

Danksagung

Wir möchten uns bei den folgenden Personen und Ämtern für die Hilfestellung bei dieser Untersuchung bedanken: Der Gemeinde Filzmoos und Herrn Johann Wieser für die Erlaubnis dieses Gebiet zu betreten und zu bearbeiten. Den Österreichischen Bundesforsten für die Erlaubnis zur Probenentnahme, Benutzung des Forstweges und für den Schlüssel zu den Schranken im Gebiet der Lacke. Frau Dr. Gertrude Friese vom Amt der Salzburger Landesregierung Bereich Umwelt/Natur/Wasser für die Bereitstellung grundlegender Informationen über das Gewässer. Herrn Alois Salchegger für die Unterstützung der Arbeit durch die Tabellen von Niederschlag und Temperatur vom Standort Filzmoos (Hydrografischer Dienst von Österreich). Herrn Karl Heinz Mandler für die persönliche Mitteilung über Fakten bezüglich der Schwarzen Lacke in Filzmoos. Herrn Stefan Brameshuber, Franz Schöberl und Dr. Andreas Maletzky (alle Universität Salzburg) für Hilfe bei der Bestimmung und wissenschftliche Diskussion. Der Biologischen Unterwasser-Forschungsgruppe der Universität Salzburg (BUFUS) für die Bereitstellung der Gerätschaften.
Ganz besonders danke ich (R. W.) meinem Großvater Johann Wimmer sen. und meinen Eltern Johann und Andrea Wimmer sowie meiner Schwester Jasmin für die Unterstützung bei der Arbeit und die Hilfe bei den Probenahmen und Werterhebungen.

Ergebnisse

Makrozoobenthos-Organismen
Die Ausbeute war äußerst gering. Es wurden Libellen-Larven von 3 Familien gefunden (Abb. 3):
• Segellibellen bzw. Libellulidae
• Falkenlibellen bzw. Corduliidae
• Schlanklibellen bzw. Coenagrionidae

Weitere Makrozoobenthosorganismen: Zuckmückenlarven, Schlammfliegenlarven und eine Rückenschwimmer-Art (Notonecta lutea). Diese Art ist im Rahmen dieser Untersuchung das erste Mal im Bundesland Salzburg gefunden worden.

Amphibien
Im Laufe des Bearbeitungszeitraumes im Frühjahr 2009 wurden weder Kaulquappen noch lebende erwachsene Amphibien gesichtet. Einzig eine tote Erdkröte (Bufo bufo) wurde im Randbereich der Schwarzen Lacke gefunden.

Schlussfolgerungen

Auffallend bei der Untersuchung war einerseits die geringe Besiedlung durch Makrozoobenthos, andererseits die äußerst niederen Werte der Leitfähigkeit des Wassers. Beide Faktoren sowie der relativ niedrige pH-Wert sprechen für die typische Ausbildung eines Hochmoores (SCHMIDT 1996). Diese Moore sind so weit über der Umgebung aufgewölbt und durch eine Torfschicht gegen den Mineralboden isoliert, dass die Wasser- und Nährstoffversorgung nur durch Niederschlag und Staub erfolgen kann, sie sind damit an Niederschläge gebunden und extrem nährstoffarm. Diese Bedingungen bevorzugen vor allem räuberische Arten, wie die Funde von Larven von Libellen und Schlammfliegen sowie die Rückenschwimmer bestätigen.
Besonders erwähnenswert ist hier der erste Nachweis der Rückenschwimmer-Art Notonecta lutea im Bundesland Salzburg.
Unklar ist, warum nur eine tote Erdkröte und keine Kaulquappen im Gewässer anzutreffen waren.
Unklar sind auch die geringen Schwankungen des Wasserpegels. Trotz längerem Regen und einer Schönwetterperiode gab es nur wenige Zentimeter Schwankungen.


Abb. 3. Haubenazurjungfer (Schlanklibelle) aufgenommen am
29. 8. 2009 an der Schwarzen Lacke. Foto: R. Wimmer ©

Literatur

MANDL G.W. 1998: Geologische Karte der Dachsteinregion, Maßstab 1 : 50.000. Herausgegeber: Geologische Bundesanstalt und Umweltbundesamt, Wien.

MANDLER K.H. 2007: Ansuchen auf Erklärung zum geschützten Landschaftsteil der „Schwarzen Lacke“ in Filzmoos. Nicht veröffentlicht.

SALCHEGGER A. 1994: Filzmoos, Überliefertes und Erlebtes (1333 - 1993). Verlag und Vertrieb Gemeinde Filzmoos.

SCHMIDT E. 1996: Ökosystem See. Quelle & Meyer, Wiesbaden.

WIMMER R. 2009: Makrozoobenthos in der Schwarzen Lacke von Filzmoos (Salzburg). Bakalaureatsarbeit, Universität Salzburg.

Weitere Infos

Grundlage für die Untersuchung war eine Bakalaureatsarbeit an der Universität Salzburg (WIMMER 2009).

Detaillierte Angaben wie die Sage von der Schwarzen Lacke, die chemisch-physikalischen Wasserwerte, die Pegelmessungen und Angaben zu den gefundenen Organismen findet man
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