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BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

Adresse der Redaktion:
Dr. Robert Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Wassermollusken im Gasteinertal und Umgebung
(Pongau, Salzburg)


Christoph Gassner & Robert A. Patzner
Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, 5020 Salzburg, Österreich
christoph.gassner@sbg.ac.at & robert.patzner@sbg.ac.at


Einleitung

Wasserschnecken und Muscheln sind in fast allen Gewässern zu finden, und spielen im trophischen System als Sekundär-produzenten eine wichtige Rolle. Einige Molluskenarten sind stark von der Gewässergüte und weiteren autökologischen Faktoren wie pH-Wert, Substrat, Strömung und Kalziumionen-konzentration sowie synökologischen Faktoren wie Pflanzenwuchs, Nahrungs-konkurrenten, Feinden und Parasiten abhängig. Sie sind meist sehr formvariabel und reagieren aufgrund ihres stark begrenzten Ausbreitungsradius schnell auf die verschiedensten Umweltbedingungen bzw. Veränderungen ihrer Umgebung. Dadurch eignen sich die Wassermollusken besonders gut als Bioindikatoren zur Beurteilung des Zustands von Gewässern bzw. von Biotopen (GLÖER, 2002; GLÖER & MEIER-BROOK, 2003).
Durch die sehr exakt abgestimmte Anpassung an gewässerspezifische Gegebenheiten reagieren die Zönosen der Wassermollusken auf Veränderungen der Wasserdynamik und der Wasserqualität weitaus empfindlicher und früher als es vergleichsweise Pflanzengesellschaften tun (FALKNER, 1990).

Die “Biologische Unterwasser Forschungs-Gruppe der Universität Salzburg” (BUFUS) untersucht seit 1993 das Vorkommen von Süßwassermollusken im Bundesland Salzburg und führt zu diesem Zwecke Kartierungs-Arbeiten durch (PATZNER, 1995). Verglichen mit anderen Salzburger Gauen ist der Pongau hinsichtlich der Wassermollusken noch relativ wenig untersucht. Aus dem Gasteinertal gibt es eine Untersuchung von einigen Standorten aus dem Jahr 2000 (ZICK & PATZNER, 2000). Im Rahmen einer Bakalaureatsarbeit (GASSNER, 2009) wurden weitere Standorte untersucht.

Material und Methoden

Das Aufsammeln der Proben erfolgte nach der Anleitung von PATZNER (1994): Mit einem Küchensieb (Maschenweite ca. 1 mm) mit 15 cm Durchmesser, welches an einem Stiel befestigt war, wurde die im Uferbereich befindliche Vegetation abgestreift, sowie Proben des Gewässerbodens entnommen. Größere Steine und Holzstücke wurden von Hand abgesucht. Es wurden bei jeder Probenahmestelle mehrere Proben in verschiedenen Uferabständen entnommen. Das Material wurde zuerst vor Ort auf Mollusken untersucht; das restliche Material wurde in Plastiksäckchen verpackt. Danach wurden die Tiere fünf Minuten in heißem Wasser abgetötet und anschließend in 70 % Isopropanol fixiert. Im Labor wurde das Material in einen aus drei Sieben bestehenden Siebsatz (mit den Maschenweiten 0,6, 2 und 6 mm) fraktioniert. Die Determination der Arten erfolgte nach GLÖER (2002) und GLÖER & MEIER-BROOK (2003). Konserviert wurden die Proben in Glasgefäßen mit 70 % Alkohol (Isopropanol). Die Einteilung der Funde erfolgte in Lebendfund (L), frischer Schalenfund (F) und in Fund eines Schalenrestes (R).
Die Gefährdung der Mollusken im Bundesland Salzburg wurde nach PATZNER (2006) beurteilt.
Die Probenahmestellen reichten von 580 m (Badesee St. Johann) bis 2060 m (Schloßalm) Seehöhe. Sehr artenreich (jeweils vier verschiedene) waren der Tauernplatz-Teich in Bad Hofgastein, der Kurpark-Sumpf in St. Veit und der Badesee in St. Johann:

1. Schloßalm, Sendleiten Lacke, in der Nähe des Start-Häusel Haitzingalm (BMN: 429654/223950).

2. Schloßalm, Schloßalmsee nahe Bergstation kleine Scharte (BMN: 429251/ 224091).

3. Schloßalm, hinterer Schloßalmsee (gegenüber Hirschkar) (BMN: 429150/ 24271,59).

4. Ingelsberg, im und um den Brunnen, sowie im Graben (BMN: 433007/226578,59).

5. Goldeggerseegraben, neben der Eisstockbahn beim Schloss Goldegg (BMN: 432526/242251).

6. Badesee St. Johann, kurz vor der Lichtenstein Klamm (BMN: 438734/243013).

7. Froschtümpel Dorfgastein, nahe dem Modellflugplatz /Stöcklgut (BMN: 433103/232598).

8. Hofzufahrt Unterhaitzing, Weinetsberg 42, nahe dem Reiterhof (BMN: 431899/226507) (Abb. 1).

9. Tauernplatz Teich, Bad Hofgastein Zentrum (BMN: 432703/225711) (Abb. 2).

10. Heuberger Graben, auf Feld hinter Feldingmoosweg 10 (BMN: 33277/224782).

11. Kurparksumpf St. Veit, nahe des Parkplatzes Landesklinik St. Veit (BMN: 437124/243487).

12. Böndlsee (BMN: 428150/241800).

Ergebnisse und Diskussion

Es wurden in neun der insgesamt 12 untersuchten Gewässer neun verschiedene Wasserschnecken-Arten und eine Pisidien-Art gefunden: Anisus vortex, Bathyomphalus contortus, Bithynia tentaculata, Galba truncatula, Hippeutis complanatus, Physa fontinalis, Planorbis planorbis, Radix balthica, Radix labiata, Pisidium casertanum (Tab. 1). Davon stehen drei Arten auf der Roten Liste gefährdeter Tiere Österreichs (REISCHÜTZ & REISCHÜTZ, 2007).
Es befanden sich drei Arten in den Proben von Gastein die bei der früheren Kartierung von ZICK & PATZNER (2000) nicht gefunden wurden (Anisus vortex, Hippeutis complanatus und Physa fontinalis).
Besonders hervorzuheben ist der Fund von Physa fontinalis, da diese Art zuletzt 1960 von KLEMM (jedoch ohne Fundortangabe), der Auflistung der heute im Bundesland Salzburg im Freiland lebenden Arten von PATZNER (2006) zufolge, gefunden wurde.
Auch der Fund von Anisus vortex ist erfreulich, scheint diese Art nach PATZNER (2006) in Salzburg doch vom Aussterben bedroht zu sein.
Des Weiteren wurde Hippeutis complanatus im Froschtümpel Dorfgastein gefunden, diese Art wurde PATZNER (2006) zufolge bisher nur in stehenden Kleingewässern im Flachgau sowie den Vorlandseen gefunden. Festzuhalten ist, dass nur auf den drei höchstgelegenen Probenahmestellen (auf der Schloßalm, alle über 1950 m) keine Wassermollusken gefunden wurden. Straßen- und Wiesengräben erwiesen sich als besonders dicht besiedelt, jedoch mit geringer Artenvielfalt. Die meisten verschiedenen Arten wurden im Tauernplatz Teich, im Badesee (Waldbad) St. Johann und im Kurparksumpf der Landesklinik in St. Veit verzeichnet, wobei die ersten beiden Gewässer antropogenen Ursprungs sind. Galba truncatula, der Zwischenwirt des Leberegels wurde nur in Standorten gefunden, die sich direkt in beweideter Umgebung befanden.


Abb. 1. Hofzufahrt Unterhaitzing, Weinetsberg
Foto: C. Gassner ©


Abb. 2. Tauernplatz Teich, Bad Hofgastein Zentrum
Foto: C. Gassner ©

Literatur

FALKNER G., 1990: Vorschlag für eine Neufassung der Roten Liste der in Bayern vorkommenden Mollusken (Weichtiere). Schriftenr. Bayer. Landesamt f. Umweltschutz 97: 61-112.
GASSNER C., 2009: Wassermollusken im Gasteinertal nd der näheren Umgebung im Pongau. Bakalaureatsarbeit, Univ. Salzburg.
GLÖER P., 2002: Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas: Bestimmungsschlüssel, Lebensweise, Verbreitung. 2. Auflage. Conchbooks, Hackenheim.
GLÖER P. & C. MEIER-BROOK, 2003: Süßwassermollusken: Ein Bestimmungsschlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. 13. Auflage. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, Hamburg.
PATZNER R.A., 1994: Über das Sammeln heimischer Wassermollusken. BUFUS Info, Universität Salzburg 14: 7-12.
PATZNER R.A., 1995: Wasserschnecken und Muscheln im Bundesland Salzburg; Stand zu Beginn einer landesweiten Kartierung. Nachrichtenblatt der Ersten Vorarlberger Malakologischen Gesellschaft 3: 12-29.
PATZNER R.A. 2006: Wasserschnecken und Muscheln im Bundesland Salzburg, Arten, Verbreitung und Rote-Liste-Status. Mitteilungen aus dem Haus der Natur 17: 64-75.
REISCHÜTZ A. & P.L. REISCHÜTZ, 2007: Rote Liste der Weichtiere (Mollusca) Österreichs. — In: Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs (Red.: K.P. ZULKA). Teil 2: Reptilien, Amphibien, Fische, Nachtfalter, Weichtiere. Grüne Reihe des Lebensministeriums 14/2. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien: 363-433.
ZICK, D. & R.A. PATZNER, 2000: Die Wassermollusken im Gasteinertal. In: PATZNER, R. A. (Hrsg.) Die Bäche des Gasteinertals. Lang Verlag, Frankfurt. pp. 95–111.


Tab. 1. Gefundene Arten und Standorte (siehe "Material und Methoden") L= Lebendfund, F = frischer Schalenfund, R = Schalenrest.