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BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Impressum:
Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

Adresse der Redaktion:
Dr. Robert Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Die Wassermollusken des Naturschutzgebiets Blinklingmoos
beim Wolfgangsee (Salzburg)


Maria Müller & Robert A. Patzner
Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, 5020 Salzburg, Österreich
MariaElfriede.Mueller@sbg.ac.at & robert.patzner@sbg.ac.at


Einleitung

Das Naturschutzgebiet Blinklingmoos liegt am Südufer des Wolfgangsees, der auch Abersee genannt wird. Der 1973 zum Naturschutzgebiet erklärte, rund 100 Hektar große Moorkomplex besteht aus dem Hochmoor „Blinklingmoos“ (Abb. 1) und dem Niedermoor „Gschwendter Moos“. Die beiden Moore werden durch ein öffentliches Strandbad der Gemeinde Strobl (Wasbad) voneinander getrennt (ROTHAUER & PATZNER, 2006). Es stellt ein Mosaik aus Hoch-, Nieder- und Übergangsmooren, Streu- und Feuchtwiesen, Moor- und Auwäldern, Bachläufen sowie der flachen Uferzone des Wolfgangsees mit Schilf- und Teichrosenbeständen dar. Während Niedermoore Zugang zum Grundwasser haben werden Hochmoore ausschließlich von Regenwasser gespeist. Hochmoore sind nährstoffarm und bestehen zu 90 % aus Wasser. Intakte Moore fungieren als Kohlendioxid-Speicher und leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz (HERRMANN, 2003).

Material und Methoden

Die Probenahme entsprach der Methode von PATZNER (1994). Sie wurde durch Sammlung von Hand aus, durch Abstreifen der submersen Vegetation und des Bodens und durch Bodenproben mit dem Handsieb durchgeführt. Dafür wurde ein verlängertes Handsieb (Maschenweite 0,6 mm) benutzt, mit dem die verschiedenen Substrate untersucht wurden. Bei der Handsammlung wurden Holzstücke, Steine (falls vorhanden), die ufernahe Vegetation und auch abgestorbene Pflanzenreste (vor allem Blätter), die im Gewässer lagen, nach Mollusken abgesucht. Um eine annähernde Vergleichbarkeit zu gewährleisten, wurde jede Probestelle ca. 20 Minuten lang abgesucht. Anschließend wurden die Proben entweder in kleine Glasbehälter oder bei Bodenproben in Plastiksäcke verpackt und ins Labor gebracht. Nach Aussieben mit einem Siebsatz (Maschenweiten: 6,3 mm, 2 mm, 0,63 mm) erfolgte die Bestimmung teils mit freiem Auge, teils unter dem Stereomikroskop mit einem Vergrößerungsbereich von 7 bis 45fach. Die gesammelten Mollusken wurden in 70 %igem Alkohol (Isopropanol) fixiert und konserviert. Als Bestimmungsliteratur dienten GLÖER (2002) und GLÖER & MEIER-BROOK (2003).

Zur Beprobung der Süßwassermollusken im Naturschutzgebiet Blinklingmoos wurden 10 Probestellen ausgewählt (Abb. 2). Alle Probestellen befinden sich im Hochmoorbereich des Naturschutzgebietes. Im Niedermoorbereich „Gschwendter Moos“ wurden keine Proben entnommen.


Abb. 1. Hochmoorteil des Naturschutzgebietes Blinklingmoos
Foto: M. Müller ©


Abb. 2. Karte des Blinklingmooses mit den Probestellen
L1 bis L10 (Quelle: SAGIS, 23.09.2009)

Weitere Infos

Grundlage für die Untersuchung war eine Bakalaureatsarbeit an der Universität Salzburg (MÜLLER 2009).

Ergebnisse und Diskussion

Im Untersuchungsgebiet konnten 12 Molluskenarten (9 Schnecken- und 3 Muschelarten) nachgewiesen werden: Bithynia tentaculata, Bythinella austriaca, Valvata cristata, Galba truncatula, Radix labiata, Planorbis planorbis, Anisus spirorbis, Gyraulus crista, Hippeutis complanatus, Sphaerium cf. nucleus, Pisidium casertanum und Pisidium subtruncatum. Davon waren 2 Arten nur als Schalenfunde nachweisbar: Bythinella austriaca austriaca und Hippeutis complanatus. Es ist fraglich, ob diese beiden Arten in dem Untersuchungsgebiet noch heimisch sind. Bei Sphaerium cf. nucleus würde es sich um den ersten Nachweis für das Bundesland Salzburg handeln, die Untersuchungen laufen noch. Obwohl die verschiedenen Probestellen örtlich gesehen nicht sehr weit voneinander entfernt liegen, konnten doch signifikante Unterschiede in der Artenzusammensetzung der einzelnen Standorte festgestellt werden.

Die Gesellschaftsbildung von Mollusken kann zur Charakterisierung von einzelnen Biotoptypen herangezogen werden. In der Arbeit wurden zwei unterschiedliche Biotoptypen untersucht. Einerseits den Biotoptyp Entwässerungsgräben (Probestellen L1 – L7) und andererseits den Biotoptyp Tümpel (Probestellen L8 – L10). Durch den Vergleich der Artenzusammensetzung an den einzelnen Probestellen mit denen von SCHACHINGER & PATZNER (2004) wurde die Einteilung der Biotoptypen noch einmal verändert. Die Probestellen L2 und L3 wurden dem Biotoptyp Totarm zugeteilt, ebenso die Probestellen L4 und L5. Bei den anderen Probestellen, L1, L6 und L7, passen die gefundenen Arten zum Biotoptyp Wasser-/Entwässerungsgraben. Die bei Probestelle L2 gefundene Art Bythinella austriaca kann als Einzige nicht den Biotoptypen Wasser-/Entwässerungsgraben oder Totarmgewässer zugeordnet werden. Bythinella austriaca gilt als Leitart für Quellen und Mittelgebirgsbäche. Man kann davon ausgehen, dass die Leerschalen bei Starkregenereignissen aus einem nahegelegenen Gebirgsbach eingespült wurden. Bei den Probestellen L8 bis L10 konnten überwiegend Arten feststellen werden, die typisch für den Biotoptyp Tümpel (Abb. 3) sind. Abschließend sei erwähnt, dass eine strikte Abgrenzung der einzelnen Biotoptypen voneinander nicht immer exakt möglich ist, aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und den komplexen Lebensbedingungen die das Naturschutzgebiet Blinklingmoos bietet.


Abb. 3. Probestelle L10 (Tümpel)
Foto: M. Müller ©

Literatur

GLÖER, P. (2002): Die Süßwasser-gastropoden Nord- und Mitteleuropas. 2. Auflage. In: Die Tierwelt Deutschlands, 73. Teil. 327 Seiten. ConchBooks, Hackenheim.
GLÖER, P. & C. MEIER-BROOK (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungs-schlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. 13. Auflage. 134 Seiten. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtungen, Hamburg.
HERRMANN, T. (2003): Landschafts-pflegeplan Naturschutzgebiet Wolfgangsee – Blinklingmoos. Auftraggeber: Gemeinde Strobl. Gefördert durch: Land Salzburg, Amt der Salzburger Landesregierung, Abteilung Naturschutz.
MÜLLER, M. (2009): Die Süßwassermollusken des Naturschutzgebiets Blinklingmoos. Bakalaureatsarbeit, Universität Salzburg.
PATZNER, R.A. (1994): Über das Sammeln heimischer Wassermollusken. BUFUS-Info, Universität Salzburg 14: 7-12.
ROTHAUER, V. & R.A. PATZNER (2006): Der Wolfgangsee und seine Molluskenfauna mit Anmerkungen zum Fuschlsee. Nachrichtenblatt der Ersten Vorarlberger Malakologischen Gesellschaft 14: 40-58.
SCHACHINGER, D. & R.A. PATZNER (2004): Charakteristische Wassermolluskenarten in verschiedenen Biotoptypen des Bundeslandes Salzburg, Österreich. Malakologische Abhandlungen 22: 49-56.