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BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

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Dr. Robert A. Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
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BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Wimpelmissbildung bei Heniochus intermedius

Horst Moosleitner

Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, A-5020 Salzburg
homosub@aon.at


Fehlbildung

Fische besitzen ein großes Regenerationsvermögen und überleben selbst schwerste Verletzungen (Morgan, 1900). Sie ersetzen zerstörte oder verloren gegangene Körperteile im Laufe der Zeit und lernen auch mit körperlichen Defekten umzugehen und zu überleben. Ich sah schon Fische mit schweren Schussverletzungen durch Harpunen-Schützen gut umgehen. Verletzungen an Flossen bereiten keinerlei Probleme; viele erwachsene Fische schwimmen mit stark ramponierten oder ausgefransten Flossen umher und zeugen von heftigen Revierkämpfen oder überstandenen Attacken durch Fressfeinde. Manchmal kann das Regenerationsvermögen auch zu Fehlbildungen führen, wie ich am Beispiel eines Rot-Meer-Wimpelfisches (Heniochus intermedius) zeigen möchte.

Wahrscheinlich durch eine (Biss-)Verletzung am Ansatz des ersten Rückenflossenstachels, der ja eine wichtige Signalwirkung besitzt, bildeten sich gleich sechs weitere Wimpel (Abb 1). Ich fand den Fisch im Sommer 2009 am Außenriff vor der Gassous-Bay, 22 km südlich von Safaga (Ägypten) im Roten Meer in 3 m Tiefe an einem großen, markanten Korallenblock, gemeinsam mit einem „normalen“ Partner. Erwachsene Wimpelfische leben wie ihre Verwandten, die Falterfische (Chaetodontide), zumindest wenn sie erwachsen sind, paarweise (Allen et al., 1998). Er trug sein „Wimpelbüschel“ noch ungeordnet, wobei gut zu erkennen war, dass der Originalwimpel etwa gleich wie bei den „normalen“ Artgenossen ausgebildet war und alle anderen, die den Zwischenraum zwischen ihm und dem Rücken ausfüllten, überragte (Abb. 2).

Als ich nun, ein Jahr später, im Juli 2010 wieder in der Gassous Bay tauchte, fand ich den Wimpelfisch samt Partner noch an derselben Stelle wieder. Seine „Nebenwimpel“ waren kräftiger geworden und überragten z.T. den Originalwimpel. Er „trug“ auch die Wimpel nicht mehr als ungeordnetes Büschel, sondern „gescheitelt“ und V-förmig nach rückwärts abstehend (Abb. 3, 4). Rein physikalisch betrachtet musste diese regelmäßige Anordnung eine bessere Stabilität im bewegten Wasser des Außenriffs bewirken und das Schwimmen nicht oder kaum behindern. Er konnte nämlich sehr schnell schwimmen, wenn er etwa einen Rivalen bis in gut 10 m Tiefe jagte, was man dem ansonsten träge vor seinem angestammten Platz schwebenden Fisch gar nicht zutraute. Dieses Verhalten lässt auch darauf schließen, dass es sich um ein Männchen handelt, das eventuell durch die Überbetonung seines Wimpels mehr Eindruck auf seine Artgenossen (Männchen und Weibchen) macht als ein „normales“ Tier. Die Ausbildung mehrerer Wimpel dürfte auch keine Behinderung sein mit negativen Auswirkungen auf das Überleben im Riff, denn sonst wäre das Tier längst Räubern zum Opfer gefallen.

Ich bin schon neugierig, wie es dem Viel-Wimpelfisch bei meinem nächsten Besuch geht und wie er dann aussieht.

2009 bis 2010


Abb. 1. Ein Heniochus intermedius-Paar; ein Tier mit normalem Wimpel, das zweite mit Wimpelbüschel. (Foto 2009).
Foto H. Moosleitner ©


Abb. 2. Das Wimpelbüschel ist noch ungeordnet (Foto 2009).
Foto H. Moosleitner ©


Abb. 3. Die Nebenwimpel sind kräftiger geworden (Foto 2010). Foto H. Moosleitner ©


Abb. 4. Die Wimpel sind v-förmig angeordnet; Ansicht von oben (Foto 2010). Foto H. Moosleitner ©

Literatur

Allen, R.A., R. Steene & M. Allen, 1998: A guide to Angelfishes & Butterflyfishes. Odyssey Publishing/Tropical Reef Research, Perth, WA.

Morgan, T H. 1900: Regeneration in Teleosts. Arch. Entwickmech. 120-134.