BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

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BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Rotfeuerfische im Atlantik - bitte vernichten!

Annemarie Kramer
School for Field Studies (TCI centre) 10 Federal Street, Suite 24 Salem,
MA 01970-3876 U.S.A.
akramer@fieldstudies.org


Eingeschleppt!

Rotfeuerfische im Atlantik gehören einer der dem Aussehen nach fast idente Arten an, Pterois volitans und Pterois miles (Hamner et al. 2007). Die Fische stammen aus dem Indopazifik und wurden vermutlich im Westatlantik durch Freisetzung aus Aquarien heimisch (Whitfield et al. 2002; Hamner et al. 2007). Seit den ersten Sichtungen in den 90er Jahren haben sie sich erfolgreich ausgebreitet (Abb. 1) und sind heute an der gesamten US Atlantikküste zu finden, ebenso im Grossteil der Karibik und inzwischen bis an den Küsten Zentral- und Mittelamerikas (Morris 2009).

Die ökologischen Konsequenzen der Invasion sind schwer abschätzbar. Studien zur raschen Verbreitung und zum Populationswachstum berichten, dass ausserhalb der natürlichen Verbreitungsraums keine natürlichen Feinde gibt, die Rotfeuerfische deshalb Rekordgrössen erreichen und sie mancherorts die gleiche oder sogar eine grössere Dichte als kommerziell gefischte Zackenbarsche erreichen, was deshalb bedeutend ist, da sie offensichtlich die gleiche Nahrung haben (Whitfield et al. 2002, 2007). Langzeitfolgen für Ökosysteme, Fischerei und Tourismus sind noch nicht absehbar. Es entwickeln sich nur langsam Initiativen um diese potenzielle Bedrohung einzudämmen, meist werden Untersuchungen oder Beobachtungsprogramme ins Leben gerufen, die zwar den Fang von einzelnen Fischen erfordern, aber ihre Verbreitung nicht beeinflussen.

Literatur

Claydon JAB, Calosso MC, Jacob SE (2008) The red lionfish invasion of South Caicos, Turks and Caicos Islands. Proceedings of the 61st Gulf and Caribbean Fisheries Institute November 10 - 14, 2008 Gosier, Guadeloupe, French West Indies: 400-402.

Hamner RM, Freshwater DW, Whitfield PE (2007) Mitochondrial cytochrome b analysis reveals two invasive lionfish species with strong founder effects in the western Atlantic. Journal of Fish Biology 71: 214-222.

Morris JA (2009) The biology and ecology of the invasive Indo-Pacific lionfish. Doctoral Dissertation. Raleigh (NC): North Carolina State University: 168pp.

Whitfield PE, Gardner T, Vives SP, Gilligan MR, Courtenay WRJ, Ray GC, Hare JA (2002) Biological invasion of the Indo-Pacific lionfish Pterois volitans along the Atlantic coast of North America. Marine Ecology Progress Series 235: 289-297.

Whitfield PE, Hare JA, David AW, Harter SL, Muñoz RC, Addison CM (2007) Abundance estimates of the Indo-Pacific lionfish Pterois volitans/miles complex in the Western North Atlantic. Biological Invasions 9: 53-64.

seit 2007

Im Dezember 2007 wurden erstmals in South Caicos Rotfeuerfische gesichtet (Claydon et al. 2008). Es wird angenommen, dass die Besiedelung ziemlich am Anfang steht, da das Vorkommen verglichen mit der kontinentalen USA relativ gering ist und die Individuen klein sind. Vermutlich wurden sie als Larven mit der Strömung verdriftet. Um Langzeitfolgen entgegen zuwirken wurde ein Projekt auf mehreren Ebenen ins Leben gerufen, das folgende Schritte beinhaltet:

Eradikation: Fang von Rotfeuerfischen mit oder ohne SCUBA Ausrüstung von Behörden, Fischern, Touristen etc.
Belohnung: Es gibt eine finanzielle Prämie für Rotfeuerfische, die der lokalen Behörde überreicht werden.
Import und Aquarienhaltung: Verbot von Import und Aquarienhaltung.
Kontrolle: Die Population wird durch die Zahl der erlegten Fische und Feldstudien überwacht.
Informationskampagne: Poster, Flugblätter, Fernseh- und Radiospots, Vorträge für Fischer, Unternehmer im Fremdenverkehr und Schulen: Information über die Gefahren die die Invasion des Rotfeuerfisches mit sich bringt, Vorstellung der ergriffenen Massnahmen sowie sicherer Umgang mit den Tieren, die giftige Flossenstrahlen besitzen.

Dr. Claydon (CMRS: siehe vorigen Beitrag -->) über den Verlauf seines Projektes: Insgesamt wurden bereits über 600 Fische von Fischern und Tauchern gefangen, dazu kommen noch 100 von unserer Station. 2008 wurde nur ein Rotfeuerfisch auf insgesamt 16 km (!) Transektstrecken gefunden. Heute, zwei Jahre später, kann man in einem halbstündigen Tauchgang oft eine handvoll Exemplare beobachten, es ist erschreckend. Momentan sind wir dabei ihre Mageninhalte zu untersuchen um ökologische Auswirkungen besser einschätzen zu können. Was wir dabei finden ist erstaunlich, besonders hinsichtlich der Breite des Beutespektrums; es scheint nicht nur, dass die Fische einen grossen Appetit haben sondern auch, dass sie so ziemlich alles fressen.


Abb. Ein Rotfeuerfisch im Atlantik.
Foto: A. Kramer ©