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BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Impressum:
Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

Adresse der Redaktion:
Dr. Robert Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Wassermollusken-Kartierung im Salzachtal des Pinzgaues (Salzburg)

Markus Loiperdinger & Robert A. Patzner
Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, 5020 Salzburg, Österreich
Markus.Loiperdinger@stud.sbg.ac.at & robert.patzner@sbg.ac.at


Einleitung

Seit über 20 Jahren werden von der Universität Salzburg aus die Wassermollusken im Bundesland Salzburg kartiert. Mit Stand 2006 sind 38 Schneckenarten und 21 Muschelarten im Salzburger Raum bekannt (Patzner, 2006). Das Auftreten der Weichtiere gibt Auskunft über den dortigen Umweltzustand und mögliche gefährdete Arten, die geschützt gehören. Flach- und Tennengau sind relativ gut untersucht, im Pongau, Lungau und Pinzgau gibt es noch Kartierungslücken.

Für die vorliegende Untersuchung wurden Feuchtbiotope im Salzachtal des Pinzgaues gewählt. In diesem Bereich, der bei etwa 750 m liegt, ist eine relativ hohe Artenzahl zu erwarten (über 1.000 m kommen nur wenige Arten in den Gewässern vor). Martin Kyek, der Amphibienspezialist vom Biodiversitäts-Zentrum am Haus der Natur in Salzburg, half Kleingewässer ausfindig zu machen, in denen Lurche vorkommen und somit auch ein Lebensraum für Wassermollusken darstellen.

Material und Methoden

Im Rahmen der Arbeit wurden 15 Kleingewässer im Salzachtal auf Wassermollusken untersucht, um deren Vorkommen und Häufigkeit festzustellen (Abb. 1).

Gesammelt wurde nach der Anleitung von Patzner (1994). Die Wasseroberfläche und ufernahe Wasserpflanzen sowie aus dem Wasser gehobene Steine und Holzstücke wurden von Hand abgesucht. Danach wurde mit dem Handsieb die Ufervegetation abgestreift und die oberste Schicht des Untergrundes abgetragen, durchspült und zur späteren Auswertung ins Labor mitgenommen. Die Sedimentproben wurden mithilfe eines Siebsatzes (20, 6, 2 und 0,63 mm Maschenweite) aufgetrennt und der Siebrückstand mit einem Binokular untersucht. Daraufhin erfolgte die Bestimmung nach Glöer (2002) und Glöer & Meier-Brook (2003). Die gesammelten Wassermollusken werden am Haus der Natur in Salzburg (Landessammlung) hinterlegt.

Aufnahmen von Schneckenhäusern wurden mit der Kamera Colour View IIIu und dem zugehörigen Cell^A Bildaufnahme-Programm gemacht.


Abb. 1. Erhobene Gewässer im Raum Pinzgau © SAGIS


Abb. 2. Gyraulus crista f. cristata mit charakteristischen Randzacken. Foto: M. Loiperdinger ©

Ergebnisse und Diskussion

Insgesamt wurden 17 Wasserschnecken- und vier Muschelarten gefunden: Acroloxus lacustris, Anisus leucostoma, A. spirorbis, Bathyomphalus contortus, Bithynia tentaculata, Galba truncatula, Gyraulus albus, G. crista f. cristata, G. laevis, Hippeutis complanatus, Lymnaea stagnalis, Physella heterostropha, Planorbis carinatus, Radix balthica, R. labiata, , Stagnicola fuscus und Valvata cristata. Musculium lacustre, Pisidium casertanum, P. subtruncatum und Sphaerium cf. ovale. Drei Gastropoda scheinen in der Roten Liste als gefährdet auf: A. spirorbis, B. contortus und H. complanatus (Reischütz & Reischütz, 2007), eine aktuelle Bedrohung im untersuchten Lebensraum konnte jedoch nicht ausgemacht werden. Am häufigsten kamen Valvata cristata und Gyraulus crista f. cristata (Abb. 2) vor. In ungewöhnlich hoher Anzahl waren Gyraulus albus und G. crista f. cristata in einem Gewässer im geschützten Landschaftsteil „Lucia Lacke“ in Niedernsill anzutreffen (Abb. 3). Physella heterostropha findet sich im „Kleinen Seekanal“ in Zell am See in einem untypisch kargen Lebensraum (Glöer & Meier-Brook, 2003). Die genügsame, aus Nordamerika eingeschleppte Art, könnte aus dem Zeller See, jedoch auch aus einem Gartenteich oder einer Gärtnerei stammen.

Unter den geschützten, stehenden Gewässern konnte eine überdurchschnittliche hohe Artenanzahl festgestellt werden. Die Artenarmut bzw. das gänzliche Fehlen von Wassermollusken in den zwei naturnahen Gewässern in Burk ist nicht ganz klar. Als Ursache können eventuell Prädatoren (Fische oder Entenvögel) in Frage kommen.


Abb. 3. Die Lucialacke in Niedernsill besitzt den größten Artenreichtum an Wassermollusken unter den kartierten Gewässern.
Foto: M. Loiperdinger ©

Literatur

Glöer, P. (2002): Die Süßwasser-gastropoden Nord- und Mitteleuropas. 2. Auflage. In: Die Tierwelt Deutschlands, 73. Teil. 327 Seiten. ConchBooks, Hackenheim.
Glöer, P. & C. Meier-Brook (2003): Süßwassermollusken. Ein Bestimmungs-schlüssel für die Bundesrepublik Deutschland. 13. Auflage. 134 Seiten. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtungen, Hamburg.
Loiperdinger, M. (2010): Wassermolluskenkartierung im Land Salzburg, Raum Pinzgau, 2010. Bakkalaureatsarbeit, Universität Salzburg.
Patzner, R.A. (1994): Über das Sammeln heimischer Wassermollusken. BUFUS-Info, Universität Salzburg 14: 7-12.
Reischütz, A. & P.L. Reischütz (2007): Rote Liste der Weichtiere (Mollusca) Österreichs. In: Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs (Red.: K.P. Zulka). Teil 2: Kriechtiere, Lurche, Fische, Nachtfalter, Weichtiere. Grüne Reihe des Lebensministeriums. Band 14/2: 363–433. Böhlau Verlag, Wien (ua).
SAGIS – Salzburger Geographisches Informationssystem: Land Salzburg. Abgerufen am 2. November 2010 von www.salzburg.gv.at/sagis/.

Weitere Infos

Grundlage für die Untersuchung war eine Bakkalaureatsarbeit an der Universität Salzburg (Loiperdinger, 2010).