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BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

Adresse der Redaktion:
Dr. Robert A. Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Ein eigenartiger Segelflossen-Doktorfisch

Horst Moosleitner

Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, A-5020 Salzburg
homosub@aon.at


Doktorfische gehören zu den häufigsten Bewohnern der Korallenriffe und sind gekennzeichnet durch einen stark seitlich zusammengepressten Körper mit ausklappbaren Messern am Schwanz, einer etwas vorspringenden Schnauze, durchgehender Rückenflosse, die oft über den Schwanz hinausragt und meist kräftige Farbmuster (Eichler & Lieske, 1994). Diese Färbung kann sich nicht nur mit dem Alter ändern, sondern auch je nach Stimmung.

Der erwachsene Segelflossen-Doktorfisch (Zebrasoma desjardini) ist ziemlich dunkel gefärbt mit weißen Punkten am Kopf und gelben (auch gelblich-weißen oder weißen) Querstreifen am Körper, die sich gegen den Bauch hin in Punkte auflösen (Abb. 1). Die großen namensgebenden segelförmigen Rücken- und Afterflossen können angelegt oder aufgestellt werden, dass bogenförmige Muster aus Punkten und Linien darin sichtbar werden. Die Tiere können die hellen Farben auch aufleuchten oder nachts zu düster verblassen lassen (Abb. 2).

Jungfische hingegen sind gelblich weiß mit hohen gelben Rücken- und Afterflossen, die meist nicht angelegt werden.

Einmal sah ich bei den Seychellen einen jungen, etwa 10 cm langen Segelflossen-Doktorfisch (Zebrasoma desjardini), der sehr hell gefärbt war, am Körper weiß und rundherum gelb mit mehr oder weniger deutlichen grauen Querstreifen. Nur zwei Streifen am gelben Kopf waren schwarz, der erste durch das Auge, der zweite gleich dahinter. Der Schwanz war schwarz, die Schwanzflosse am Grund gelb, dahinter durchsichtig weiß. Zuerst schwamm er ein Stück mit einem Sparren-Falterfisch (Chaetodon trifascialis), mit dem er einige farbliche Ähnlichkeiten aufwies, über und durch ein ausgedehntes Acropora-Korallen-Dickicht (Abb. 3). Doch dann schloss er sich einer Gruppe von 5 Rippel- Falterfischen (Chaetodon trifasciatus) an, die vom Körperbau her ähnlich zusammengepresst wie er aber eher rund waren, während er durch die großen Flossen höher als lang aussah (Abb. 4). Er hatte so ziemlich die gleiche Färbung wie die Schmetterlingsfische mit dem Unterschied, dass er vertikal und die Falterfische etwas schräg horizontal gestreift waren. Die Kopfstreifen waren bei beiden Arten ungefähr gleich; der Augenstreifen bei Chaetodon etwas breiter, dafür der zweite heller und schmäler. Die Falterfische streiften hier und dort einen Bissen von den Korallen abzupfend dahin.

Da der Segelflossen-Doktorfisch den Falterfischen längere Zeit folgte (ich beobachtete ihn dabei etwa eine halbe Stunde lang) und auch er hier und dort etwas vom Boden zupfte, ist anzunehmen, dass er vielleicht in Ermangelung von Artgenossen die Gesellschaft der Falterfische dem Alleinsein vorzog und sich, um weniger aufzufallen, diesen farblich anpasste. Er war den Falterfischen oft näher als diese ihren Artgenossen. Die einzige Schwierigkeit bestand darin, dass er als Pflanzenfresser sein Futter zwischen den Korallenstöcken und nicht auf diesen suchen musste. Ein weiterer Grund für dieses Verhalten könnte sein, dass die Falterfische ihm zumindest Gelegenheit gaben, sich in der Gruppe weiter als sonst aus den Verstecken zu wagen und so Nahrungsgründe zu erreichen, an die er sich alleine nicht gewagt hätte.

Während junge Segelflossen-Doktorfische meist einzeln zu finden sind und eine eher versteckte Lebensweise an geschützten wie an bewegten Fels- und Korallenriffen führen, streifen erwachsene entweder paarweise oder in Gruppen bis zu großen kompakten Herden durch das Riff und plündern die Algenbestände, auch jene, die von anderen revierbildenden Doktorfischen bewacht werden.



Abb. 1. Erwachsener Zebrasoma desjardini in Normalfärbung.
Foto H. Moosleitner ©


Abb. 2. Zebrasoma desjardini in düsterer Nachtfärbung.
Foto H. Moosleitner ©


Abb. 3. Ein juveniler Zebrasoma desjardini (unten) schwimmt
gemeinsam mit Chaetodon trifascialis.
Foto H. Moosleitner ©


Abb. 4. Ein juveniler Zebrasoma desjardini (hinten) schwimmt
gemeinsam mit Chaetodon trifasciatus.
Foto H. Moosleitner ©

Literatur

Eichler, D & E. Lieske, 1994: Korallenfische - Indischer Ozean. Jahr Verlag, Hamburg.