BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

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Dr. Robert Patzner
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BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Buckelwale und Mantarochen garantiert: Isla de la Plata – Ekuador

Annemarie Kramer
School for Field Studies (TCI centre) 10 Federal Street, Suite 24 Salem,
MA 01970-3876 U.S.A.
akramer@fieldstudies.org


Ekuador

Ekuador biete eine Vielfalt an Sehenswertem und ist besonders für Naturliebhaber und Abenteurer ein hochinteressantes Land. Neben den Galápagos Inseln, einem weltweiten Top – Reiseziel hat das südamerikanische Land mit Pazifikküste noch jede Menge andere Superlative zu bieten, den Amazonas Regenwald oder die schneebedeckten Andengipfeln, die zum Großteil noch vulkanisch aktiv sind um nur zwei Beispiele zu nennen, und diese Liste könnte wohl noch endlos weitergeführt werden.

Puerto Lopez ist ein Fischer- und Ferienort an der Pazifikküste, wohl bekannt unter Einheimischen, weniger bekannt bei internationalen Touristen, die generell als Individualreisende hierher kommen (Abb. 1). Obwohl das ganze Jahr über Touristen kommen, gilt Juli und August als Hauptsaison. Das Wetter zu dieser Jahreszeit ist in der Regel bedeckt und von Nieselregen begleitet; der Humboldtstrom bringt kühles Wasser aus dem Süden welches hier am Äquator auf warme Luft stößt und diesen ‚garúa’ erzeugt.


Abb. 1. Puerto Lopez: Ausfahrt der Tauchboote.
Foto: A. Kramer ©

Vor der Küste sammeln sich zwischen Mai und September hunderte Buckelwale (Megaptera novaeangliae), die sich in kleinen Gruppen zeigen und in denen die Männchen oft spektakulär um die Gunst von Weibchen werben: Mit ihren meterlangen Brust- oder Schwanzflossen schlagen sie auf die Wasseroberfläche (pectoral slap/tail slap) oder katapultieren sich komplett aus dem Wasser (breach, Abb. 2), in vielen Gruppen sind auch neugeborene Kälber zu sehen (Clapham 1996, Scheidat et al. 2000, Felix & Haase 2001).

Für Touristen werden Wal Exkursionen angeboten, auf Wunsch in Kombination mit Schnorcheln und Wanderung auf der Isla de la Plata, einer vorgelagerten Insel, die auch als „Galápagos für Arme“ bekannt ist, da für viele Einheimische eine Reise auf die berühmten Inseln nicht erschwinglich ist. Auf der Insel, die wie die umliegenden Gewässer und Küsten zum Nationalpark Machallila gehört, kann man unter anderem Blaufußtölpel (Sula nebouxii) beim Balzen beobachten, Fregattvögel (Fregata magnificens) beim Nisten erspähen und mit Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas) vor der Küste schnorcheln.


Abb. 2. "Breaching" eines Buckelwales.
Foto: A. Kramer ©

Literatur

Clapham, P.J. 1996. The social and reproductive biology of humpback whales: an ecological perspective. J. Mammal Review 26: 27–49.

Felix, F. & B. Haase. 2001. The humpback whale off the coast of Ecuador, population parameters and behavior. Revista de Biología Marina y Oceanografía 36: 61 – 74.

Marshall, A. D., Compagno, L. J. V. & Bennett, M. B. (2009). Redescription of genus Manta with resurrection of Manta alfredi (Krefft,1868) (Chondrichthyes; Myliobatoidei; Mobulidae). Zootaxa 2301: 1–28.

Marshall, A.D., Pierce, S.J. & Bennett, M.B. (2008) Morphological measurements of manta rays (Manta birostris) with a description of a foetus from the east coast of Southern Africa. Zootaxa, 1717, 24–30.

Scheidat, M., Castro, C., Denkinger, J., Gonzalez, J. & D. Adelung. 2000. A breeding area for humpback whales (Megaptera novaeangliae) off Ecuador. J. Cetacean Res. Manage. 2:165–171.

Weitere Infos

http://saveourseas.com/projects/mantarays_ec

http://marinemegafauna.org/mantarays/

 

Tauchen

Wer das Glück hat einen Platz auf dem Tauchboot zu ergattern, dem bietet sich unter Wasser gegen Ende des Sommers ein besonderes Spektakel: Riesen-Mantarochen (Manta birostris) sammeln sich um die Insel und können trotz der oft eingeschränkten Sicht, Strömungen und kühlen Wassertemperaturen einen Tauchgang in ein Erlebnis der ganz besonderen Art verwandeln (Abb. 3).


Abb. 3. Riesen-Mantarochen (Manta birostris).
Foto: A. Kramer ©

Die zahlreichen Riesen-Mantas haben in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern auf sich gezogen; es wird vermutet dass es sich hierbei um eine der größten küstennahen Ansammlungen von Mantarochen weltweit handelt. Schon das dritte Jahr läuft ein Projekt der Save Our Seas Foundation: Voluntäre fotografieren die Mantarochen welche individuelle Flecken und Zeichnungen auf ihrer Körperunterseite aufweisen mit denen Individuen identifiziert werden können. Zusätzlich werden Planktonproben an verschiedenen Stellen um die Insel entnommen.

Mantas ernähren sich von Plankton und können oft dabei beobachtet werden wie sie vertikale Kreise ziehen um eine hohe Planktonkonzentration an einer bestimmten Stelle auszunutzen. Sie gehören zu den größten marinen Fischen und können eine Spannweite von über 7m erreichen. Erst vor kurzem wurde eine zweite Art abgegerenzt, Manta alfredi, welche sich morphologisch und genetisch klar unterscheidet; es laufen Untersuchungen eine potenzielle dritte Art zu isolieren, die im Atlantik vorkommt (Marshall et al. 2009).

Generell ist über Mantarochen nur wenig bekannt, sie sind weltweit verbreitet, verbringen einen Großteil ihres Lebens im offenen Ozean und wandern über enorme Strecken; als Teil des Mantaprojektes in Ekuador werden Satellitensender an individuelle Tiere angebracht um herauszufinden wohin sie ziehen (Abb. 4). Wie alt Mantarochen werden und ab welchem Alter sie geschlechtsreif sind, ist noch unbekannt, aber man weiß inzwischen, dass sie eine Tragzeit von zwölf Monaten haben und ein einziges, lebendes Junges zur Welt bringen, welches bereits eine Körperspannweite von 1,3 - 1,6 m aufweisen kann (Marshall et al. 2008).


Abb. 4. Ein Voluntär bei der Datensammlung.
Foto: A. Kramer ©

Bei den Tauchgängen an der Isla de la Plata ist es oft möglich die Mantarochen aus nächster Nähe zu beobachten, ist man in kleinen Gruppen unterwegs kann es durchaus passieren, dass aus dem tiefblauen Wasser eines dieser beeindruckenden Tiere auftaucht und sich neugierig dem Taucher nähert; und sich die Frage stellt wer hier wen beobachtet. Im Verhältnis zu ihrer Körpergröße besitzen Mantas die größten Gehirne unter den Fischen und weisen ein komplexes Sozialverhalten auf, von dem das Meiste noch nicht erforscht ist. Fest steht, dass sie Laute produzieren um miteinander zu kommunizieren und es wird vermutet dass, wenn sie wie andere Rochen aus dem Wasser springen, auch dies der Kommunikation dient.

Insgesamt gibt es wenig Information über Biologie, Verbreitung und Anzahl von Mantas und daher sind sie in der IUCN Liste sie als ‚near threatened’ angeführt; in einigen Gebieten werden sie aktiv gefischt und sind lokal selten geworden, besonders in Asiens Fischmärkten gibt es eine große Nachfrage.

Ausblick

Bleibt zu hoffen, dass es noch nicht zu spät ist, Projekte wie das oben angeführte zum Schutz dieser charismatischen Arten und der Meere beitragen und die Riesenmantas auch noch in Zukunft ihre Kreise ziehen werden, nicht nur vor der Isla de la Plata, sondern in allen Ozeanen.