BUFUS-Info ist eine Zeitschrift, die sich mit allen Belangen des aquatischen Lebensraumes auseinandersetzt.

 

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Für den Inhalt verantwortlich, Verleger und Herausgeber:
Dr. Robert A. Patzner

 

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Dr. Robert Patzner
Organismische Biologie
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg


Mail: robert.patzner@sbg.ac.at

 

BUFUS-Info ist ein Teil des „Seminar Report“ ISSN 0256-4173, der am Institut für Zoologie an der Universität Salzburg erschienen ist.

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Muscheltransport durch Molche

Elisabeth Scheicher
Organismische Biologie, Universität Salzburg, Hellbrunnerstr. 34, 5020 Salzburg, Österreich
elisabeth.scheicher@stud.sbg.ac.at

Einleitung

Im April 2009 wollte ich feststellen, welche Molch-Art bei uns im Teich lebt, da deren Polpulation in diesem Frühjahr enorm zugenommen hatte. Dazu habe ich ein paar Molche gefangen und festgestellt das 2 davon Muscheln an den Zehen hatten.

Untersuchungsgebiet

Der Teich (Abb. 1) befindet sich in der Nähe der Römerbrücke in Bad Vigaun (Tennengau). In unmittelbare Nähe sind größere (naturnahe) Waldgebiete und die Taugl. Koordinaten (BMN 31): 476624/131557. Meereshöhe ca. 500 m. Größe: 5 x 8 m; tiefste Stelle: 1,80 m. Der Teich ist künstlich geschaffen und mit Folie ausgelegt. Pflanzen: Krebsscheren, Froschbiss, Teichrosen, Rohrkolben, Wasserlinsen, Wasserpest. Immer wieder Fadenalgen. Im und um den Teich beobachtete: Ringelnatter, Äskulapnatter, Blindschleiche, Bergmolch, Grasfrosch, Laubfrosch, Erdkröte, Großlibellen, Kleinlibellen, Gelbrandkäfer, div. Insekten, div. Wasserschnecken und Kleinmuscheln.


Abb. 1. Der Gartenteich bei Vigaun im Tennengau.
Foto: E. Scheicher ©

Literatur

Davis D.S. & Gilhen J., 1982: An Observation of the transportation of pea clams, Pisidium adamsi, by blue-spottet salamanders, Ambystoma laterale. Canadian Field-Naturalist 96: 231-215.

Fernando C.H., 1954: The possible dispersal of Pisidium by Corixidas (Hemiptera). J. Conochology 24: 17-19.

Gopal T.K.S., Rao C.V.N., Perigreen P.A. & Govindan T, 1985: Studies on the transportation of live clams. Fishery Technology 22: 48-51.

Gutleb B., Streitmaier D., Seidl B. & Mildner P., 2000: Das Anheften der Gemeinen Kugelmuschel Sphaerium corneum (Linnaeus, 1758) (Mollusca: Bivalvia: Sphaeriidae) an Amphibien. Carinthia II 190/110: 555-560.

Kobelt W., 1909: Pisidien an Wassersalamandern. Nachr. dt. malakozool. Ges 41: 135.

Mackie G.L., 1979: Dispersal mechanisms in Sphaeriidae (Mollusca: Bivalvia). Bull. Am. Malak. Union. Inc.: 17-21.

Vielhauer W., 1943: Eine Beobachtung von Musculium lacustre (O.F. Müller). Arch. Molluskenkunde 75: 195-197.

Infos erwünscht

Ähnliche Funde bitte dokumentieren (Fotos). Die Muschel sollte (in Alkohol) fixiert, notfalls auch einfach getrocknet werden. Meldungen bitte an Dr. Robert Patzner (robert.patzner@sbg.ac.at) unter Angabe von Fundort (Gewässer, Koordinaten) und Datum.

 

Ergebnisse

Um der Sache nachzugehen habe ich (mit Unterstützung) so viele Molche gefangen wie möglich. Innerhalb von 3 Tagen haben wir 182 Molche gefangen. Davon hatten 78 Tiere (43 %) Muscheln angehängt (Abb. 2 und 3). Davon etwa 20 mit mehr als einer Muschel (Abb. 4). 2 Molche mit 3 Muscheln. 1 Molch mit Muschel am Unterkiefer.


Abb. 2 und 3. Die Sphaerium-Muscheln haben sich an
die Phalangen der Molche "angeklippt".
Foto: E. Scheicher ©


Abb. 4. Gelegentlich findet man auch 2 oder mehr Muscheln
an einem Molch.
Foto: E. Scheicher ©

Bei den Molchen handelt es sich um Bergmolche (Triturus alpestris), bei den Muscheln um eine Sphaerium-Art (die genaue Art-Bestimmung ist noch ausständig).
Die Molche die durch die Muscheln am Schwimmen deutlich behindert wurden waren natürlich leichter zu fangen Allerdings hatten wir mit etwas Übung keine Probleme auch alle zum Luftholen auftauchenden Molche ohne Muscheln zu fangen. Bei einem der Molche mit 3 Muscheln haben wir versucht die Muscheln zu entfernen. Haben aber davon abgelassen als sich eine Muschel löste mit dem abgezwickten Phalangen im Muschelinneren.
Wir haben versucht zu zählen wie viele Molche Verletzungen dieser Art fehlende Zehen aufwiesen, das gestaltete sich aber als sehr zeitraubend (Molche waren sehr gestresst und ließen sich nicht mehr gut untersuchen). Es lässt sich aber sagen dass es kein Einzelfall war wir fanden etwa 15 Molche mit abgetrennten Zehen bevor wir abgebrochen haben. Die Muschel am Unterkiefer eines Molches ließ sich mit viel Geduld entfernen (wurde dabei zerbrochen). Der Molch kam zur Beobachtung noch einige Zeit in einen getrennten Kübel: Es dauerte an die 5 Minuten bis er sein Maul wieder schloss.

Diskussion

Der Transport und die Verbreitung von Kleinmuscheln durch Amphibien und auch durch Wasserkäfer und Wasserwanzen ist ein Phänomen, das immer wieder beobachtet und dokumentiert wurde (Kobelt, 1909; Vielhauer, 1943; Fernando, 1954; Mackie, 1979; Davis & Gilhen, 1982; Gopal et al., 1985; Gutleb et al., 2000).