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BUFUS-Info 28/2002
Tauchen in der Stille
Anke Oertel
Institut
für Pflanzenphysiologie, Universität Salzburg.
anke.oertel@sbg.ac.at
Für den
tauchenden Biologen und / oder Unterwasser- Fotografen ist häufig der
Blasenauswurf des Atemreglers ein lästiges Phänomen, dass all zu oft das
Beobachtungsobjekt verscheucht. Die Lösung dieses Problems liegt in der
Anwendung der bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Henry Fleuss ersonnenen
Technologie des Atmens aus einem geschlossenen Atemgerät, welches das
Ausatemgas wieder aufarbeitet, bzw. das anfallende CO2
aus ihm entfernt.
1905 entstand das erste funktionsfähige Kreislauftauchgerät in Form des
„Davis- Tauchretters“, welcher als Rettungsgerät zum Verlassen von U- Booten
diente.
Lange bevor Jaques Custeau und Hans Hass mit ihren offenen SCUBA- Geräten in
die Tiefe vordrangen war es möglich mit Sauerstoff- Kreislaufgeräten längere
Zeit unter Wasser zu verbringen. Im militärischen Bereich wurden sie seither
eingesetzt. Erst in neuester Zeit drängen sie in Form geschlossener (z.B.
Buddy Inspiration) oder halbgeschlossener Systeme (Dräger Dolphin oder Ray)
auf den Markt der Sporttaucher- Szene.
Auch in der Forschung erlebt diese Technologie neuen Aufwind. Nicht nur das
Wegfallen der Geräuschkulisse, sondern auch das Vorwärmen des Atemgases
durch die Reaktion des Atemkalkes und vor allem der wesentlich geringere
Atemgasverbrauch eröffnen ungeahnte Möglichkeiten. Man bedenke, dass man
normalerweise bei jedem Atemzug nur etwa 4 % Sauerstoff aus dem Atemgas
wirklich braucht- der Rest wird meist verworfen! Vor allem in großen Tiefen
ist der Gasverbrauch im offenen System immens. Bei der Verwendung eines
Kreislaufgerätes nimmt die prozentuale O2-Ausschöpfung
sogar proportional zur Tiefe ab!
So ist es mit Hilfe dieser Technologie Leuten wie dem Havaiianischen
Fischforscher Richard Pyle möglich neue Arten aus über 100m Tiefe hinauf zu
holen. Im Gegensatz zum Netzfang weiß er genau wie die Umgebung aussah in
der er den Fisch gefunden hat.
Genauso ist es Menschen mit neu entwickelten redundanten Kreislaufgeräten
möglich kilometerweit in unbekannte Höhlensysteme vorzudringen, deren
Verlauf, Länge und Dimension bisher nur von Hydrologen erahnt werden
konnten.
Ich denke es wird Zeit, dass sich auch der „normale“ Biologe mit dieser doch
sehr vorteilhaften Technik auseinandersetzt und sie sich im kleinen zunutze
macht.
In diesem Sinne
möchte ich zunächst das einfachste System vorstellen: Ein Kreislaufgerät das
nur mit Reinsauerstoff betrieben wird (Abb. 1).

Abb. 1. Aufbau des IDA 57
Seit
2002 bin ich stolze Besitzerin eines IDA 57- einem russischen Modell aus dem
Jahre 1957, wie der Name sagt. Design und Technik sind nicht unbedingt
sportlich, aber robust. Alle Teile sind im Original erhalten und erfüllen
zuverlässig ihre Funktion.
Das Gerät wird am Bauch getragen. Rechts (vom Taucher aus gesehen) befindet
sich eine 1Liter Sauerstofflasche, in der Mitte ist die Gegenlunge und links
die Patrone mit dem Atemkalk (Abb. 1).
Das Mundstück besitzt ein Einlass und ein Auslass- Ventil, das den Gasstrom
nur in einer Richtung erlaubt- in die der Kalkpatrone. Das ausgeatmete Gas
strömt gleichmäßig zwischen den Körnchen des Atemkalkes (Calciumhydroxid +
Natriumhydroxid), wobei das CO2 absorbiert wird. Dann
gelangt es in die Gegenlunge- einen flexiblen Sack der sich aufbläht um beim
neuerlichen Einatmen wieder in sich zusammen zu fallen. In diesem Sack
befindet sich die zweite Stufe des Druckminderers der für die Nachdosierung
des Sauerstoffs verantwortlich ist. Wenn das Gasvolumen im Kreislauf durch
das Eliminieren des Kohlendioxids zu stark abnimmt, wird der Unterdruck im
Sack irgendwann für das Ansprechen des Atemreglers sorgen. Sauerstoff aus
der Flasche wird nachdosiert.
Das Nachdosieren kann durch ausatmen durch die Nase und einatmen aus dem
Gerät bewusst provoziert werden. Man nennt diesen Vorgang „Spülen“. Spülen
ist wichtig um Inertgase wie Stickstoff oder auch andere unerwünschte Gase
aus dem System zu eliminieren.
Da die Gewebe auch während dem Tauchgang ständig Inertgas wie Stickstoff
abgeben, besteht das Gas im Kreislauf nur zu etwa 80% aus Sauerstoff.
Sicherheitshalber hält man sich aber an eine Tiefengrenze von 6m, welche
einem Sauerstoffpartialdruck von 1,6 bar mit Reinsauerstoff entspricht. Bei
Sauerstoffpartialdrücken von mehr als 1,6 bar können Vergiftungen des
Zentralen Nervensystems auftreten.
Weitere Gefahren lauern durch Anreicherung unerwünschter Gase im Kreislauf
und durch Wassereinbrüche, welche zu sehr unschönen Laugen- Verätzungen im
Bereich der Speiseröhre und der Atemwege führen können.
Die Handhabung und Wartung der Geräte ist anspruchsvoll. Es ist unbedingt
erforderlich die Gefahren des Kreislauftauchens an sich und die des
speziellen Gerätes zu kennen, bevor man sich in die Fluten stürzt. Mangelnde
Einschulung und Schlamperei in der Wartung können schwere gesundheitliche
Schäden zur Folge haben.
Die Kenntnis des Umgangs mit Reinsauerstoff und NITROX- Mischungen ist
Vorraussetzung zum Betrieb solcher Geräte. |