Biologische Unterwasser-Forschungsgruppe der Universität Salzburg


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BUFUS-Info 29/2003

Die Nase – Fisch des Jahres 2003

Regina Petz-Glechner

Institut für Zoologie, Universität Salzburg, c/o TB Umweltgutachten Petz, Hallwang

fisch.petz@i-one.at

 

Steckbrief. Die Nase (Chondrostoma nasus), die zur Familie der Karpfenfische zählt, verdankt ihren Namen der charakteristischen, nasenartigen Verlängerung der Kopfspitze (Abb. 1). Das Maul ist unterständig, die Unterlippe hornig mit scharfkantigen Rändern. Der langgestreckte, spindelförmige Körper weist eine graublaue bis graugrüne Oberseite, silberne Seiten und einen weißen bis gelblichen Bauch auf. Die Flossen sind rötlich gefärbt, das Bauchfell schwarz. Die Nase kann über 50 cm lang und über 2 kg schwer werden.

Nasen sind strömungsliebende Fische und bewohnen vorwiegend schnellfließende Gewässer der Barben- und Äschenregion. Die Nahrung dieser bodenorientierten Schwarmfische besteht hauptsächlich aus Algen, die sie von Steinen abweiden und aus den Kleintieren, die in diesem Algenbewuchs leben und mit aufgenommen werden. Sie führen ausgedehnte Wanderungen zwischen Ruhe- und Fressplätzen durch. Den Winter verbringen Na­sen in Schwärmen an tiefen Gewässerstellen. Sie sind bekannt für ihre Laichwanderungen, die sie früher über Strecken bis zu 300 km flussaufwärts zu ihren Laichplätzen führten.

Zur Laichzeit zwischen März und Mai (meist April) legen sie an kiesigen, flachen Stellen mit starker Strömung unter lebhaften Paarungsspielen ihre klebrigen Eier ab. Vermutlich werden jedes Jahr die selben Laichplätze aufgesucht. Zur Laichzeit sind beide Geschlechter besonders intensiv gefärbt (Kopf und Rücken schwarz glänzend) und zeigen einen Laichausschlag.

Die Larven und Jungfische brauchen Bereiche mit ruhiger Strömung oder Stillwasserzonen sowie feineres Substrat. Die Brut gedeiht auch in stehenden Gewässern gut, was vor allem für die Aufzucht in Fischteichen wichtig ist. Adulttiere benötigen aber gröberes Sub­strat zum Abweiden der Algen. Der Wechsel vom Lebensraum der Jungfische zu dem der erwachsenen Nasen ist nur dann erfolgreich, wenn die geeigneten Bereiche nicht zu weit voneinander entfernt sind. Ein gutes "Nasengewässer" muss daher sehr vielfältig sein und darf keine Wanderhindernisse enthalten.

Gefährdung. Aus diesen sehr speziellen Lebensraumansprüchen ergeben sich die Gefährdungsursachen: das Fehlen ufernaher Laichplätze und die Zerstörung des Ge­wässerkontinuums, wodurch auch die Laichplätze in den Seitengewässern nicht mehr erreichbar sind. Auch Staue (Verlust an freien Fließstrecken) und Zerstörung der Überschwemmungsflächen tragen zum Rückgang der Art bei. Dabei ist es auch zu einer Veränderung des Laichverhaltens gekommen: Die Wande­rungen führen nun über kürzere Distanzen und die Zahl der Fische an den Laichplätzen ist zurückgegangen. Durch den geringeren genetischen Austausch zwischen den Populationen kann es zu einer Gefährdung des Genpools kommen.

Die Nase in der Salzach. Nasen waren früher in der Salzach so häufig, dass sie zur Laichzeit in Massen gefangen wurden. Das so genannte "Nasenstechen" war im Halleiner Raum einst das Vorrecht der Salzarbeiter. Es wurde aber auch "zur Unterhaltung der höchsten Herrschaften" in der Fischach veranstaltet (Freudlsperger, 1915). Der Lebensraum der Salzach-Nasen reichte ursprünglich bis Mittersill, was durch Daten aus dem 19. Jahrhundert belegt ist. Vor dem Bau der Innkraftwerke zogen alljährlich bis zu 150.000 Nasen in die Salzach und in ihre Nebenflüsse, um dort abzulaichen. Die Errichtung von Querbauwerken führte in der Folge zum Aussterben dieser Art oberhalb der Salzachöfen. Auch flußab von Golling bis zur Saalachmündung war die Nase nach dem zweiten Weltkrieg weitgehend verschwunden. Die Einleitung von Abwässern aus der Papierfabrik in Hallein und andere Einleiter taten ein Übriges, dass die Nase in der Salzach weitgehend verschwunden war (Abb. 1).

Wiedereinbürgerung erfolgreich. Wanderhindernisse und Gewässerverbauung sind zwar nach wie vor ein Problem, die Wasserqualität der Salzach ist jedoch wieder in Ordnung. In den Jahren 1995 bis 1999 wurde daher vom Landesfischereiverband Salzburg ein Projekt zur Wiederansiedlung der Nase in der Salzach zwischen Bischofshofen und Oberndorf durchgeführt. Erst nach einigen Jahren zeigten sich erste Früchte dieser Bemühungen: Nasen ziehen unter anderem zum Ablaichen in die Alm, die im Norden von Hallein in die Salzach mündet. Leider befindet sich dort eine Restwasserstrecke, so dass das Aufkommen der Brut jedes Jahr gefährdet ist. Mehrere Beobachtungen von Nasen im Raum Hallein lassen aber hoffen, dass sich trotz Gewässerverbauung und Mangel an Laichplätzen wieder ein Bestand etablieren kann, der sich ohne Besatzmaßnahmen selbst erhalten kann.

Das Vorkommen der Nase beeinflusst auch die übrige Fischfauna. Die Nase ist beispielsweise der wichtigste Futterfisch für den Huchen. Die Entwicklung der Junghuchen ist auf eine ausreichende Anzahl an Nasenbrut angewiesen. Fehlen die Nasen, ist auch die Bestandsentwicklung des Huchens gefährdet.

Schutz der Nase. Bis die Nase wieder eine dauerhafte Heimstatt in der Salzach gefunden hat, ist ein bedingungsloser Schutz dieser Fischart unbedingtes Gebot. Dem trägt auch die neue Fischereiverordnung Rechnung, die eine ganzjährige Schonung der Nase vorsieht. Die Wahl als Fisch des Jahres 2003 soll uns in den Schutzbemühungen um diese vernachlässigte Art bestärken.

 

 

Abb. 1. Nase aus der Salzach

Literatur

Freudlsperger H. (1915): Die Fischerei im Erzstift Salzburg. Österr. Fischereizeitung XII: 51-52, 62-64.


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