Biologische Unterwasser-Forschungsgruppe der Universität Salzburg


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BUFUS-Info 29/2003

Die Litoralfische von Curacao

Teil 2: Perciformes 1

Frank VELTE

Zoologisches Institut, Johann-Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt/ M
Marlin1904@aol.com


Curacao ist die größte Insel der Niederländischen Antillen, von denen die sogenannten ABC-Inseln (Aruba, Curacao und Bonaire) direkt vor der venezuelanischen Küste liegen. Curacao gehört somit zu den südlichsten Inseln der Karibik. Während eines Tauchurlaubs von Ende August bis Anfang September 1994 konnte ich insgesamt 76 Fischarten aus 35 Familien in den Riffen um Curacao beobachten.

Der erste Teil dieses Berichtes beschäftigte sich mit den Fischen, die nicht zu den Barschartigen (Perciformes) zählen.

 

Serranidae (Zackenbarsche)

Der Rote Zackenbarsch (Epinephelus guttatus) zählt zu den größeren und häufigen Arten seiner Familie in der Karibik. Ich begegnete dieser Art jedoch nur ein einziges Mal. Wesentlich häufiger trifft man auf den Coney (Cephalopholis fulvus), der in mehreren Farbvarianten vorkommt. Bei Curacao sah man vorwiegend die rotbraune Farbvariante

Erst ab zehn Meter Tiefe kann man Kreolenbarsche (Paranthias furcifer) beobachten. Da diese Art auf den ersten Blick einer Brasse ähnelt, nehmen viele Taucher sie gar nicht richtig wahr. Der Harlekinbarsch (Serranus tigrinus) lebt solitär und ist aufgrund seiner Tarnfärbung nicht einfach zu entdecken, zumal er sich dicht über dem Substrat aufhält.

 

Grammidae (Feenbarsche)

Den nur 8 cm groß werdenden Feenbarsch (Gramma loreto) traf ich immer erst unterhalb von acht Metern Tiefe. Diese Art ist nicht häufig sondern mit seiner markanten Färbung, Vorderkörper lila, Hinterkörper gelb, auch sehr auffällig gefärbt und nicht zu übersehen.

 

Cirrhitidae (Büschelbarsche)

Der Rotgetupfte Büschelbarsch (Amblycirrhitus pinos) ist der einzige Vertreter seiner Familie bei Curacao. Aufgrund seiner exzellenten Tarnung und der Eigenschaft zwischen Korallenästen zu liegen wird er häufig von Tauchern nicht wahrgenommen.

 

Inermiidae (Bogas)

Bogitas (Emmelichthyops atlanticus) sind silbrigglänzende Schwarmfische, die ca. 25 cm lang werden und an der Riffkante „wie eine Wand“ erscheinen um planktonische Nahrung aufzunehmen.

 

Carangidae (Stachelmakrelen)

Es vergeht praktisch kein Tauchgang, bei dem nicht auf die Seitenstreifenmakrele (Caranx ruber) trifft. Sie kommt regelmäßig an der Riffkante, aber auch über Sandboden und anderen Substraten, meist in kleinen Trupps vor. Selten sieht man Einzelexemplare. Der Palometa (Trachinotis goodei) geht meist über Sandboden auf Nahrungssuche und ist im Riff eher selten zu sehen. Der spindelförmige Körper kennzeichnet die Regenbogenmakrele (Elagatis bipinnulata) als schnellen Schwimmer. Im freien Wasser oder an der Riffkante sind am ehesten zu beobachten.

 

Lutjanidae (Schnapper)

Die Schnapper gehören zu den typischen Fischen karibischer Korallenriffe. Während der Schulmeister (Lutjanus apodus) und der Gelbschwanzschnapper (Ocyurus chrysurus) regelmäßig bei Tauchgängen anzutreffen sind, gehört eine Begegnung mit dem Mahagoni-Schnapper (Lutjanus mahagoni), zumindest bei Curacao, zu den Ausnahmen.

 

Haemulidae (Grunzer)

Ebenso wie die Schnapper, so prägen auch die verschiedenen Grunzer-Arten das Bild karibischer Unterwasserlandschaften. Der Französische Grunzer (Haemulon flavolineatum) gehört dabei zu den auffälligsten Arten (Abb. 1), wenn er in großen Schwärmen durch Korallenriffe und Blockfelder zieht. Nicht minder auffällig ist der Virginia-Grunzer (Anisotremus virginicus), von dem auch Jungfische zu sehen waren. Obwohl Kleinmaul-Grunzer (H. chrysargyreum) und Tomtate (H. aurolineatum) allgemein als häufig beschrieben werden (Took 1978), konnte ich sie nur selten beobachten. Noch seltener waren allerdings der Surinam-Grunzer (A. surinamensis) und der Schwarze Grunzer (H. carbonarium) anzutreffen, da sie sich tagsüber vorwiegend in Spalten und Höhlen verstecken.

Abb. 1. Französischer Grunzer (Haemulon flavolineatum), Aquarienaufnahme.

Sparidae (Meerbrassen)

Brassen sind in der Karibik nicht so präsent wie etwa im Mittelmeer. Es dauerte daher auch lange, bis ich eine Großaugenbrasse (Calamus calamus) über bewachsenem Sandboden entdeckten konnte.

 

Sciaenidae (Umberfische)

Obwohl der Gepunktete Ritterfisch (Equetes punctatus) auf den ersten Blick, aufgrund seiner Färbung als auffällig erscheint, ist er in Spalten und Kleinhöhlen nur schwer zu entdecken. Wenn man sich jedoch die Mühe macht solche Kleinbiotope abzusuchen, wird man diese Art immer wieder beobachten können.

 

Gerreidae (Mojarras)

Dem Gelbflossen-Mojarra (Gerres cinereus) begegnet man meist über Sandböden, wo er auf Nahrungssuche umherstreift.

 

Mullidae (Meerbarben)

Die Gelbe Meerbarbe (Mulloidichtys martinicus) durchstreift ebenso wie die Gefleckte Meerbarbe (Pseudupeneus maculatus) Biotope mit sandigen Böden, auch wenn diese nur kleinflächig sind. Beide Arten findet man in Gruppen, die bis zu 20 Fische umfassen, wenngleich von der Gelben Meerbarbe schon Schwärme mit über 100 Individuen beschrieben wurden (Itzkowitz 1974). Beide Arten findet man auch an Putzstationen, wobei die sich Gelbe Meerbarbe in einer 45° Kopf-oben oder Kopf-unten Stellung präsentiert. Die Gefleckte Meerbarbe nimmt hierbei sogar eine 90° Kopf-oben Stellung ein.

 

Mugilidae (Meeräschen)

Meeräschen (Mugil spec.) trifft man an den Küsten von Curacao nur gelegentlich an. Sie spielen dort bei weitem nicht die Rolle wie in der Ökologie mediterraner Unterwasserbiotope. Ein genaue Artbestimmung war bei den Begegnungen nicht möglich.

 

Chaetodontidae (Schmetterlingsfische)

Von den fünf Arten der Chaetodontidae, die im karibischen Litoral vorkommen, konnte ich bei Curacao zumindest zwei Vertreter feststellen. Die häufigere der beiden Arten ist der Vieraugen-Schmetterlingsfisch (Chaetodon capistratus), dem man bereits im seichten Wasser begegnen kann (Abb. 2). Während Itzkowitz (1974) über diese Art schreibt, dass sie solitär lebt, konnte ich diese Fischart nur paarweise antreffen, wie dies auch von Took (1978) angegeben wird. Bemerkenswert ist der auffällige Augenfleck am Hinterende des Tieres, während die echten Augen, durch eine Binde verdeckt werden. Raubfische werden wohl meist das falsche Ende für eine Attacke wählen.

Abb. 2: Vieraugen-Schmetterlingsfisch (Chaetodon capistratus) bei der Nahrungssuche.

 

Der Gestreifte Schmetterlingsfisch (Chaetodon striatus) kommt regelmäßig erst ab einer Wassertiefe von 10 Metern vor, nur selten sieht man ihn in seichterem Wasser (Abb. 3). Jungfische findet man allerdings schon im ersten Meter unter der Wasseroberfläche. Itzkowitz (1974) berichtet, dass Jungfische von Ch. striatus nur in Gruppen mit Artgenossen schwimmen. Allerdings sah ich sie bei der Nahrungssuche meist in gemischten Trupps vergesellschaftet mit jungen Papageien- und Doktorfischen.

Abb. 3: Pärchen des Gestreiften Schmetterlingsfisches (Chaetodon striatus)

 

Pomacanthidae (Kaiserfische)

Einem Franzosenkaiser (Pomacanthus paru) zu begegnen gehört zu den Highlights karibischer Tauchgänge. Zweimal war es mir vergönnt, jedes Mal unterhalb von 10 Metern. Auch den Dreifarbenkaiser (Holacanthus tricolor) trifft man erst ab dieser Tiefe an.

 

Blenniidae (Schleimfische)

Rotlippen-Schleimfische (Ophioblennius atlanticus) sind auf Hartböden in den ersten Metern unter der Wasseroberfläche praktisch immer anzutreffen. An geeigneten Stellen kann man Dutzende von ihnen auf nur wenigen Quadratmetern feststellen.

 

Tripterygiidae (Dreiflossen-Schleimfische)

Nur im flachen Wasser trifft man auf den Rotaugen-Dreiflossen-Schleimfisch (Enneanectes pectoralis). Er dürfte ähnlich häufig sein wie der Rotlippen-Schleimfisch, doch macht seine ausgezeichnet tarnende Körperfärbung das Auffinden dieses Tripterygiiden nicht einfach.

 

Gobiidae (Grundeln)

Viele Gobiiden-Arten kommen in der Karibik vor, doch sind sie unter Wasser oft nur schwer eindeutig zu bestimmen. Die Haigrundel (Gobiosoma evelynae), erkenntlich an ihrer spitzen haiähnlichen Nasenregion, ist wie so manch andere Art ihrer Gattung als Putzerfisch tätig (Darcy et al. 1974, Wicksten 1995). Ich konnte sie beim Putzen des Braunen Chromis (Chromis multilineatus) und des Kreolenlippfisches (Clepticus parrai) beobachten. Die Sandgrundel (Coryphopterus spec.) lebt wie der Name verrät auf sandigen Böden oder auf Sedimentflächen zwischen Hartsubstraten. Beide Arten sind recht häufig.

 

Acanthuridae (Doktorfische)

Alle drei in der Karibik vorkommenden Doktorfisch-Arten trifft man bei Curacao an. Vom Blauen Doktorfisch (Acanthurus coeruleus) waren nicht nur adulte Fische, die in größeren Trupps durch Riffe und Seegraswiesen ziehen, sondern auch Jungfische, die gelb gefärbt sind zu sehen. Den Ozean-Doktorfisch (A. bahianus) traf man meist in Schulen von über 50 Individuen unterhalb von 10 Meter Tiefe an. Der Atlantische Streifen-Doktorfisch (A. chirurgus) war nicht so häufig wie die beiden anderen Arten, aber dennoch regelmäßig zu finden.

Die Besprechung von Lippfischen, Riffbarschen und Papageienfischen soll den Inhalt des letzten Teiles darstellen.

 

Literatur

Darcy, G. H., Maisel, E. & Ogden, J. C., 1974 : Cleaning preferences of the Gobies Gobiosoma evelynae and G. prochilos and the Juvenile Wrasse Thalassoma bifasciatum. Copeia 1974:375-379.

Itzkowitz, M., 1974: A behavioural reconnaissance of some Jamaican reef fishes. Zool. J. Linn. Soc. 55:87-118.

Took, I. F, 1978: Fishes of the Caribbean Reefs. MacMillan Press, London.

Wicksten, M. K., 1995. Associations of fishes and their cleaners of Bonaire, Netherlands Antilles. Copeia 1995: 477-481.


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