Biologische Unterwasser-Forschungsgruppe der Universität Salzburg


BUFUS 

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BUFUS-Info 30/2003

Ausbildung zum Forschungstaucher
(Scientific Diver, Research Diver)

Pierre MADL & Maricela YIP

Institut für Biophysik, Universität Salzburg
pierre.madl@sbg.ac.at & maricela.yip@sbg.ac.at

 Die Möglichkeit auf privater Basis in Kurzkursen eine Tauchausbildung abschließen zu können hat in den vergangenen Jahren dazu geführt das eine Schar von Interessenten die Welt unter Wasser für sich entdeckt hat.  In dieser Hinsicht spielen sich ausgedehntere Aktivitäten allerdings meist auf Freizeitniveau ab. 

Gestützt auf eine breite Basis an Freizeittauchern, fällt es nun viel leichter profundere Ausbildungskurse anzubieten die eine derartige Grundausbildung voraussetzen.  Der Nachfrage entsprechend werden nun auch auf universitärer Basis regelmäßig Veranstaltungen angeboten welche die Kursteilnehmer auch in marine Gewässer führen.

Es mag nun dem geübten Taucher hierzulande überflüssig erscheinen nach Abschluss einer Sporttaucher-Ausbildung sich auch noch einer weiterführenden, spezialisierten Ausbildung zum Forschungstaucher zu unterziehen.  Doch angesichts der steigenden Anzahl an Unfällen von Freizeittauchern sollte eine derart fundierte Zusatzqualifikation dem notwendigen Sicherheitsanspruch - sowohl dem Privaten als auch einschlägigen Spezialisten angeraten werden (hier im speziellen sei auf die Risikoabschätzung hingewiesen, wie z.B. Analyse, Bewertung, Kontrolle und Management).  Diese Richtlinien, welche im wesentlichem jenen der Berufstaucher entsprechen, legen unter anderem auch die Durchführung der Tauchereinsätze und die Ausbildung fest.   

In einigen europäischen Ländern ist die Durchführung wissenschaftlicher Forschungstätigkeiten unter Wasser (z. B. Universitäten, Forschungseinrichtungen, etc.) mit dem Status eines Freizeit- oder Sporttauchers unzulässig.  Um derlei Arbeiten sowohl im Inland als auch im Ausland ausführen zu dürfen ist es unbedingt erforderlich eine einschlägige Fortbildung zum "geprüften Forschungstaucher" absolviert zu haben. 

Im benachbarten Deutschland schreiben die "Richtlinien für den Einsatz von Forschungstaucher - ZH 1/540" eine solche Ausbildung vor.  Eine derartige Qualifikation wird z.B. von der Universität Hannover angeboten.  Die italienischen Kollegen bieten diesbezüglich eine international zugelassene Ausbildung am ISSD (International School for Scientific Diving der Università di Pisa) an. 

 Um einen Forschungs-Tauchlehrgang belegen zu können sind einige Voraussetzungen zu erfüllen.  Diese umfassen im wesentlichen zwei Dinge:

  • ein gültiges und anerkanntes Gesundheitszeugnis welches von einem qualifizierten Sportarzt ausgestellt sein muss und nicht älter als ein Jahr sein darf. Dieses Gesundheitszertifikat soll bestätigen dass die Person tauchtauglich ist; d.h. einen gesunden und belastbaren Kreislauf, eine gute Vitalkapazität der Lunge, freie Tubi (nicht blockierte Gehörgänge und freie Nasenwege), normalgewichtig ist und natürlich einen guten Allgemeinzustand aufweist;
     

  • ein bereits bestehendes Basis-Tauchpatent ausgestellt von einen der gängigen Ausbildungsanstalten (NAUI, PADI, SSI, etc.) mit einer Mindestanzahl von 15 Stunden unter Wasser (ideal >50 Stunden unter Wasser).

Die Ausbildung zum Forschungstaucher auf die hier Bezug genommen wird vollzog sich im vergangenen Februar 2003 am Zentrum für Marine Studien an der Queensland Universität (Brisbane, Australien).  Es umspannt einen einwöchigen Theorieteil, und ist in folgende Vorlesungsteile gegliedert:

  • der allgemeine Teil beinhaltet physikalische und technische Aspekte (präsentiert vom institutsinternen LV-Leiter der Universität);
     

  • der medizinische Teil (gelesen von einem Mediziner der hyperbarischen Behandlungsstelle des lokalen Krankenhauses);
     

  • der Sicherheitsteil (gehalten von einem Sicherheitsinspektor der Universität);
     

  • der Erste Hilfe Kurs umfasst die notwendigen Handgriffe um eine Basisversorgung Vorort gewährleisten zu können (gehalten von einem Notarzt der lokalen Wasserrettung).

Der im Anschluss daran 7 bis 10 Tage dauernde praktische Teil setzt sich aus einer Freigewässer-Ausbildung und einem boots-gestützten Trainingsteil zusammen.  Vor jedem Tauchgang findet eine ausführliche Vorbesprechung und Ausarbeitung der Risikoeinschätzung statt die neben der Abschlussprüfung in die Gesamtbewertung einfließt.  Beide Praxisteile haben zum Ziel den Umgang mit aufgabenbezogenen Arbeiten unter Wasser zu trainieren; unter anderem werden folgende Geräte eingesetzt:

  • Atemregler mit Vollgesichtsmaske und Pony-Flasche;
     

  • tauchen mit Druckluft-Gerät und Tarierweste (erweitert auch mit Rebreather);
     

  •  hantieren mit Signalleinen, Partnerleinen, Unterwasser-Kommunikationssystemen, Blindmasken und Navigationstraining bei Nullsicht;
     

  • Zusammenbau und Einsatz des Sauerstoff-Rettungskoffer;
     

  • Such- und Bergung eines Tauchopfers (Simulation);
     

  • ausführen von Arbeiten sowohl im Flachwasser als auch in größeren Tiefen (setzen von Markierungsbojen gekoppelt mit Suchalgorithmen, Stemmarbeiten mit Hammer & Meißel, Bergung von Lasten mit 50 kg Liftbeutel, etc.).

Die dazu erforderliche Ausrüstung und Gerätschaft sowie die Unterkunft und Boot wurden vom Institut bereitgestellt.  Die Ausbildung wurde mit einer Prüfung und Zertifikat abgeschlossen und ist von der universitätsinternen Prüfungskommission ausgestellt worden.

Das in diesem Kurs absolvierte Ausbildungsprogramm ist in Form eines PDF-Manuals HIER  abrufbar.


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© BUFUS-Info Nr. 30/2003 - Universität Salzburg - Informationen