Biologische Unterwasser-Forschungsgruppe der Universität Salzburg


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bufus-Info 30/2003

Die Großmuscheln in Salzburg

Teil 2: Die Gemeine Malermuschel Unio pictorum

Robert A. Patzner

Institut für Zoologie, Universität Salzburg
robert.patzner@sbg.ac.at


Wie in Teil 1  (bufus-Info 28) angekündigt, werden die in Salzburg vorkommenden Großmuschelarten der Reihe nach vorgestellt. Im Rahmen eine Kartierungsprojektes im Auftrag der Salzburger Landesregierung und des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft wurde die Verbreitung der einzelnen Arten im Bundesland untersucht. Das Projekt wurde 2002 und 2003 durchgeführt und im Oktober 2003 abgeschlossen.

 

Gemeine Malermuschel - Unio pictorum (Linnaeus 1758)

Beschreibung: U. pictorum erreicht eine Länge bis 10 cm, maximal bis 14 cm. Die Schale ist mehr als doppelt so lang wie hoch, Ober- und Unterrand sind beinahe parallel zueinander (Falkner 1990). Die Färbung ist grünlichgelb bis dunkelbraun (Abb. 1). Die Wirbelskulptur besteht aus einzelnen, in Reihen stehenden Höckern, die besonders bei Jungtieren gut zu erkennen sind. Diese Art hat charakteristische Sonderformen hervorgebracht, deren Bestände jedoch vielfach erloschen sind. In vielen Gebieten machte sich eine andere Form breit, die sich durch gleichförmige Ausprägung und rasches Wachstum auszeichnet (Falkner 1990).

Abb. 1. Unio pictorum in Salzburg. Oben links: Mattsee, alte Form (keine Lebendfunde); oben rechts: Mattsee, Normalform; Mitte links: Wallersee, alte Form (keine Lebendfunde); Mitte rechts: Mattig; Unten links: Teich von St. Jakob (Länge: 11,6 cm!); Unten rechts: Zellersee. Linie = 1 cm.

 

Ökologie: U. pictorum kommt in stehenden und langsam fließenden Gewässern vor. Sie bevorzugt Schlammboden, ist aber auch in sandigen bis schottrigen Bereichen zu finden.

Allgemeine Verbreitung: In Mittel-, Nord- und Nordwest-Europa, im Westen bis Portugal, im Osten bis ins Uralgebiet (Falkner 1990).

Historisches Vorkommen in Salzburg: Siehe Tabelle 1.

 

 

 

Tabelle 1.  Literaturberichte und Sammlungsbelege von Unio pictorum im Bundesland Salzburg
(aus: Patzner & Müller 1999)

Gau Fundort Autor
Stadtgebiet von Salzburg Leopoldskroner Teich und dessen Abfluss Kastner 1892: 256, Kastner 1905: 39, Mahler 1944/45: 154, Mahler 1952/53: 33, Patzner & Garcia Isarch (1998)
  St. Peterer Teich Mahler 1944/45: 154, Mahler 1952/53: 33
  Schleienlacke bei Morzg Mahler 1944/45: 154, Mahler 1952/53: 33
Flachgau Obertrumer- und Grabensee Mahler 1952/53: 29, 31, Modell 1965: 295, Patzner et al. 1993: 60
Mattsee Kastner 1892: 256, Kastner 1905: 39, Modell 1965: 295, Patzner et al. 1993: 60, Zick 1998
Wallersee Kastner 1892: 256, Kastner 1905: 39, Gaschott 1927: 307, Klemm 1950: 53, Mahler 1952/53: 31, Modell 1965: 295, Jäger 1974: 51, Patzner et al. 1992: 89, Patzner et al. 1993: 60
Lugingersee Kastner 1892: 256, Kastner 1905: 39, Mahler 1952/53: 31
Teich von Oberholz bei Ursprung Mahler 1952/53: 33

Heutiges Vorkommen in Salzburg: U. pictorum ist heimisch im Bundesland Salzburg (autochthone Art). Es gibt sympatrische Vorkommen mit Anodonta anatina und A. cygnea. Im Rahmen der Kartierung wurden 17 Populationen gefunden (Abb. 2). Sie kommen in folgenden Biotoptypen vor: See oligotroph kalkarm (3 %), See oligotroph kalkreich (6 %), See mesotroph (51 %, Hauptvorkommen), See eutroph (13 %), Weiher (8 %), Teich naturnah (10 %), Niederungsbach Klassen 1 (6 %) und 2 (3 %). Die Höhenverbreitung erstreckt sich von Höhenstufe 2 (400-450 m) bis Höhenstufe 7 (700-800 m). Hauptvorkommen in Stufe 4 (500-550 m), höchstes Vorkommen: Zellersee (Pinzgau, 750 m, wahrscheinlich eingesetzt). Höchstes natürlichstes Vorkommen: Egelseen bei Schleedorf (Flachgau, 592 m). U. pictorum wurde in folgenden Gewässern gefunden (Abb. 2): Stadtgebiet von Salzburg: Karlsbader Weiher, Leopoldskroner Teich, 2 Salzachseen. — Flachgau: Relativ häufig im Wallersee, Mattsee, Obertrumersee und Grabensee sowie vereinzelt im Wolfgangsee; Anifer Waldbad, Ragginger See, Egelseen (bei Schleedorf), Fischach, Mattig und Salzach-Auen. — Tennengau: Teich von St. Jakob am Thurn. — Pinzgau: Niedersiller Badesee (eingesetzt), Zellersee (Meereshöhe 750 m). Die Vorkommen im Tennengau und Pinzgau sind nicht als ursprünglich anzusehen. Die Malermuschel wurde hier entweder mit Absicht eingesetzt (wie im Niedersiller Badeseee) oder eingeschleppt (z.B. mit glochidientragenden Fischen).

 

 

 

 

 

 

 

   Abb. 2. Verbreitungskarte der Malermuschel in Salzburg

Gefährdung: U. pictorum steht in der „Roten Liste der gefährdeten Tiere Österreichs“ im Bundesland Salzburg auf Gefährdungsstufe 3 (gefährdet) (Frank & Reischütz 1994).

 

Literatur

Falkner, G. (1990): Binnenmollusken. In: Fechtner, R. und Falkner, G.: Weichtiere. – Steinbachs Naturführer, pp 112-286. Mosaik Verlag, München.

Frank, Ch. und Reischütz P. L. (1994): Rote Liste gefährdeter Weichtiere Österreichs (Mollusca: Gastropoda und Bivalvia). – In: Gepp, J. (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere Österreichs, pp 283-317. Styria Medienservic, Graz.

Gaschott, O. (1927): Mollusken des Litorals der Alpen-Vorlandseen im Gebiet der Ostalpen. — Int. Rev. ges. Hydrobiol. 17: 304-335. Berlin.

Kastner, K. (1892): Die Conchyliensammlung des Salzburger Museum Carolino-Augusteum. — Mitt. Ges. salzb. Landesk. 32: 241-256. Salzburg.

Kastner, K. (1905): Beiträge zur Molluskenfauna des Landes Salzburg. — J.-Ber. Staatsrealschule Salzburg, pp. 3-40. Salzburg.

Mahler, F. (1944/45): Die gehäusetragenden Schnecken und Muscheln des Moorgebietes am Fuße des Untersberges. — Mitt. Ges. salzb. Landesk. 84/85: 142-172. Salzburg.

Mahler, F. (1951): Geschichtlicher Überblick über die Erfassung der Wassermolluskenfauna Salzburgs. — Mitt. naturwiss. Arbeitsgem. Haus der Natur Salzburg. Zoologische Arbeitsgruppe 2: 47-59. Salzburg.

Mahler, F. (1952/53): Beitrag zur Verbreitung und Ökologie der Großmuscheln im Lande Salzburg. — Mitt. naturwiss. Arbeitsgem. Haus der Natur Salzburg. Zoologische Arbeitsgruppe 3: 26-48. Salzburg.

Modell, H. (1965): Die Najaden-Fauna der oberen Donau. — Veröff. Zool. Staatssammlung München 9: 159-304. München.

Patzner, R. A., Loidl, B., Glechner, R. und Hofrichter, R.(1993): Abundanz und Tiefenverteilung von Najaden (Mollusca: Bivalvia: Unionidae) in den Seen des Salzburger Alpenvorlandes. – Natur und Landschaft 68: 58-62.

Patzner R. A. & E. Garcia Isarch (1998): The water molluscs of the ”Leopoldskroner Teich”, a pond in the city of Salzburg, Austria. — Mitt. dtsch. malakozool. Ges. 19: 273-279.

Patzner R.A. & D. Müller, 1999: Zum Vorkommen von Najaden (Unionidae) im Bundesland Salzburg (Österreich). Heldia 4, Sonderheft 6: 33-38.

Zick, D. (1998): Die Molluskenfauna im Mattsee (Salzburg, Österreich). Diplomarbeit Univ. Salzburg.


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