Biologische Unterwasser-Forschungsgruppe der Universität Salzburg


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bufus-Info 30/2003

FLUP-Österreich

Verein für Schutz und Erhalt der Flussperlmuschel

Daniela Csar

Institut für Zoologie, Universität Salzburg
daniela.csar@gewoek.at


 

Die Bestandessituation der Flussperlmuschel

 Die Flussperlmuschel Margaritifera margaritifera (Abb. 1) gilt international als eine vom Aussterben bedrohte Tierart. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Bestandszahlen derart gesunken, dass der rezente Bestand nur mehr 2 bis 3 % der ursprünglichen Größe aufweist. In Österreich leben etwa noch 70.000 Tiere auf 35 Gewässersysteme verteilt. In nur wenigen Gewässern sind noch reproduzierende Populationen zu finden, die meisten Bestände sind überaltert. Das Überleben der Restpopulationen ist ohne entsprechende Schutzmaßnahmen nicht gesichert.

 

 

Abb.1: Margaritifera margaritifera
aus dem Leitenbach

 Die Gefährdungsursachen

 Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Perlräuberei Hauptgrund für den Rückgang der Bestände (Moog et al. 1993). Heute gilt als Hauptursache für den drastischen Rückgang die Eutrophierung der Gewässer u.a. durch geänderte Nutzungsverhältnisse im Gewässerumland. Dadurch kommt es zu einem vermehrten Feinsediment- und Schadstoffeintrag und veränderten Nahrungsbedingungen für die filtrierende Muschel. Weitere Probleme stellen die Gewässerversauerung, Gewässerausbau und falscher Fischbesatz dar.

  

Der Verein FLUP–Österreich

Seit 1997 bemüht sich die Aktionsplattform FLUP-Österreich um Schutz, Erhalt und Wiederansiedlung der Flussperlmuschel und Wiederherstellung der dafür erforderlichen Lebensräume mit ihrem typischen Artinventar (Gumpinger et al. 2002). Im Jahr 2003 wurde die Plattform aus organisatorischen Gründen in einen Verein umgewandelt.

Von FLUP-Österreich werden konkrete Projekte ausgearbeitet und in mehreren ausgewählten Schwerpunktgebieten (derzeit Waldaist, Kleiner Kößlbach, Maltsch, Mühl, Distl, Leitenbach, Thaya, Lainsitz und Kamp) umgesetzt. Dabei werden bei der Betreuung der Arbeiten vor Ort lokale Naturschutzgruppen eingebunden (Abb. 2). 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb.2: Hauptprojektgebiete von FLUP-Österreich

 Um gute Bedingungen zur natürlichen Vermehrung der Flussperlmuschel zu schaffen werden fischereiliche Managementkonzepte, die speziell auf die Muschel und ihren Wirt, die Bachforelle (Salmo trutta f. fario) abgestimmt sind, erstellt. Bei der halbnatürlichen Aufzucht werden vorzugsweise aus Muschelgewässern gewonnene Wirtsfische mit den im Gewässer heimischen Muschellarven infiziert, im Winter in speziellen Becken gehalten und im darauf folgenden Frühjahr in das Ursprungsgewässer entlassen. Bei der künstlichen Aufzucht werden die mit Muschellarven infizierten Fische bis zum Zeitpunkt des Abfallens der Jungmuscheln in Becken gehalten. Die fertig entwickelten Jungmuscheln werden direkt ins ursprüngliche Gewässer entlassen oder zur Kontrolle des Abwachserfolges in spezielle Käfige gesetzt und in einem eigens dafür angelegten Muschelgarten (Waldaist) ausgesetzt.

Ein wichtiges Instrument zur Dokumentation der Entwicklung der Bestände sind  Dauerbeobachtungsstrecken. So können auch unterschiedliche Umweltbedingungen und deren Wirkung auf die Muschel verglichen werden. Derzeit werden insgesamt 30, jeweils 100 m lange Monitoringstrecken an 15 ausgewählten Gewässern untersucht (Abb. 2).

 Nähere Informationen zur Flussperlmuschel und den Tätigkeiten des Vereins sind auf der Homepage von FLUP-Österreich www.flussperlmuschel.at zu finden.

 

Literatur 

Gumpinger C., W. Heinisch, J. Moser, T. Ofenböck & C. Stundner (2002): Die Flussperlmuschel in Österreich. Monographien des Umweltbundesamtes, Band 159, Wien.

Moog O., H. Nesemann, T. Ofenböck & C. Stundner (1993): Grundlagen zum Schutz der Flussperlmuschel in Österreich. Schriftenreihe der Bristol-Stiftung, Band 3, Zürich.


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