Biologische Unterwasser-Forschungsgruppe der Universität Salzburg


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BUFUS-Info 30/2003

Die Litoralfische von Curacao

Teil 3: Perciformes 2

Frank VELTE

Zoologisches Institut, Johann-Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt/ M
Marlin1904@aol.com


Curacao ist die größte Insel der Niederländischen Antillen, von denen die sogenannten ABC-Inseln (Aruba, Curacao und Bonaire) direkt vor der venezuelanischen Küste liegen. Curacao gehört somit zu den südlichsten Inseln der Karibik. Während eines Tauchurlaubs von Ende August bis Anfang September 1994 konnte ich insgesamt 76 Fischarten aus 35 Familien in den Riffen um Curacao beobachten.

Der erste Teil beschäftigte sich mit den Fischen, die nicht zu den Barschartigen (Perciformes) zählen, der zweite Teil mit den Perciformes 1.

Gemessen an der Anzahl der Arten waren die folgend aufgeführten Familien, während meines Aufenthaltes auf Curacao, die dominierenden. In jedem betauchten Tiefenbereich waren sie präsent. Aufgrund diverser, ethologischer Besonderheiten werden einige Arten etwas ausführlicher besprochen.

 

Pomacentridae (Riffbarsche)

Der Gestreifte Riffbarsch (Abudefduf saxatilis) ist der erste Vertreter seiner Gruppe, dem man unter Wasser begegnet. Ob Strand, Hafen, Mole oder Riff, A. saxatilis ist praktisch überall zu finden. Ähnlich häufig ist der Gelbschwanz-Riffbarsch (Microspathodon chrysurus), zumindest an Stellen an denen er genügend Deckung findet. Honig-Riffbarsch (Stegastes diencaeus), Zweifarben-Riffbarsch (S. partitus) und Gelber Riffbarsch (S. planifrons) sind sehr aggressive Pomacentriden, die man bei Curacao regelmäßig aber nicht sehr häufig sieht. Den Braunen Chromis (C. multilineatus) trifft man in Schwärmen im freien Wasser, wo er nach Plankton sucht. Diesem Riffbarsch begegnet man immer wieder, insbesondere wenn man nach Putzstationen Ausschau hält, an denen er die Dienste von Putzerfischen, offensichtlich gerne in Anspruch nimmt. Gelegentlich wurden gemischte Schwärme mit dem Kreolen-Lippfisch beobachtet. Der Blaue Chromis (Chromis cyaneus) ist mit seiner tiefblauen Färbung, einem dunklen Rückenstreifen und den zwei dunklen Streifen, die die Schwanzflosse einfassen unverwechselbar. Man trifft ihn meist unterhalb von 10 Metern an. Auch diese Art bildet mittelgroße Schwärme, die sich oft im Bereich von Elchhorn- und Hirnkorallen aufhalten. Der Blaue Chromis ist ebenfalls ein Planktonfresser. Gemischte Schwärme der beiden Chromis-Arten, von denen Took (1978) berichtet, fielen mir nicht auf.

 

Labridae (Lippfische)

Der mit Abstand häufigste Labride war der Blaukopf-Lippfisch (Thalassoma bifasciatum). Patrouillierende, blaugrün gefärbte Sekundärmännchen dieser Art waren an Blockfeldern, Molen, selbst in Häfen und natürlich im Riff ständig zu sehen (Abb. 1). Zwei besonders große Sekundärmännchen konnte ich an einer Felsgruppe immer wieder beobachten. Ihre Reviere dürften jeweils ca. 100 m2 groß gewesen sein. Weibchen, Primärmännchen und Jungfische zogen meist in kleinen Gruppen umher. Einmal sah ich einen jungen, ca. 1 cm großen Blaukopf-Lippfisch zwischen den Tentakeln einer Riesen-Goldrose (Condylactis gigantea), in zwei Metern Tiefe. Ein Vergesellschaftung, die schon von Hanlon & Kaufman (1976), Blanquet et al. (1980) und Nieves (1985) beschrieben wurde. Ein direkter Tentakelkontakt, wie er bei den indopazifischen Anemonenfischen der Gattungen Amphiprion und Premnas vorkommt, besteht in diesem Fall allerdings nicht.

Besonders auffallend waren die Putzstationen, an denen junge T. bifasciatum Putzkunden versorgten (Abb. 2). Diese zwischenartliche Beziehung wurde bereits von Eibl-Eibesfeldt (1955) detailliert beschrieben. Putzstationen des Blaukopf-Lippfisches fand ich im Bereich von einem bis 18 Meter Tiefe. Als Putzkunden konnten insgesamt 17 Arten aus 6 Familien bestimmt werden. Interessant ist, dass sowohl Einzeltiere als auch Gruppen (Abb. 3) von T. bifasciatum als Putzer tätig sind. Meist waren es zwischen vier und acht, maximal 12 Individuen. Dabei können einzelne Putzer und selbst ganze Gruppen zwischen verschiedenen Stationen hin und her wechseln (Itzkowitz 1979). 

Abb. 1: Ein Sekundärmännchen des Blaukopf-Lippfisches (Thalassoma bifasciatum) patrouilliert durch sein Revier.

Abb. 2: Putzstation eines juvenilen des Blaukopf-Lippfisches (T. bifaciatum) an einer Elchhornkoralle (Acropora palmata) in drei Metern Tiefe. Ein Brauner Chromis (Chromis multilineatus) fordert mit einer Kopf-nach-unten-Stellung zum Putzen auf. Ein Artgenosse wartet bis er an der Reihe ist.
Abb. 3: Ein Gruppe Blauer Doktorfische (Acanthurus coeruleus) wird von einigen juvenilen Blaukopf-Lippfischen (T. bifasciatum) in einem Meter Tiefe geputzt (Pfeile).

Eine weitere Art bei der Jungfische als Putzer tätig sind, ist der Spanischer Schweinsfisch (Bodianus rufus) (Eibl-Eibesfeldt 1955). Ich konnte dieses Verhalten allerdings nicht beobachten, da vorwiegend adulte Fische gesichtet wurden und auch dies nicht allzu häufig.

Der dunkelblau gefärbte Kreolen-Lippfisch (Clepticus parrai) zieht gewöhnlich in größeren Gruppen durchs Riff. Ganz selten sieht man vereinzelte Tiere.

Ein Bewohner der offenen Sandflächen ist der Karibische Schermesserfisch (Hemipteronotus martinicensis). Da dieses Habitat eher selten betaucht wird, trifft man ihn auch nur selten. Er dürfte bei Curacao an geeigneten Stellen aber regelmäßig vorkommen.

Ebenfalls selten traf ich auf den Gelbkopf-Lippfisch (Halichoeres garnoti). Auch Jungfische dieser Art können fakultativ mit Seeanemonen vergesellschaftet sein (Hanlon et al. 1983).

Der Zweistreifen-Lippfisch (H. radiatus) hält sich vorwiegend in Habitaten auf, die reichlich Unterschlupf bieten. So findet man ihn unter Überhängen oder an Schiffwracks (Took 1978). Häufig war auch diese Art nicht zu sehen. Dies kann natürlich daran liegen, dass er die genannten Habitate aufsucht und damit oft übersehen wird.

 

Scaridae (Papageienfische)

Auch diese Fischfamilie ist charakteristisch für karibische Unterwasserlandschaften. Mit Ausnahme reiner Sandböden waren sie sonst immer anzutreffen. Da alle Scariden einen Geschlechtswechsel durchleben und daher männliche und weibliche Tiere meist unterschiedlich gefärbt sind, war es anfangs nicht einfach manche Formen eindeutig zuzuordnen. Mit ein wenig Übung und guten Bestimmungsbüchern konnten die einzelnen Arten aber schließlich sicher angesprochen werden.

Der Blaue Papageienfisch (Scarus coeruleus) bewohnt die Korallenriffe und Blockfelder bis in Tiefen von 30 Metern (Abb. 4, 5). Er ist einer der häufigsten Vertreter seiner Gruppe. Der Prinzessin Papageienfisch (Sc. taeniopterus) kommt ebenso regelmäßig bei Curacao vor. Während männliche Fische blaugrün gezeichnet sind, ausgestattet mit einer schönen Gesichtsmaske, haben die Weibchen schokoladenbraune und weiße Längsstreifen. Ähnlich verhält es sich beim Gestreiften Papageienfisch (Sc. Iserti, Abb. 5), doch haben hier die Männchen zusätzlich einen kurzen, weißen Streifen hinter dem Kiemendeckel. Auch auf diesen Vertreter der Scaridae trifft man bei Curacao regelmäßig schon im flachen Wasser. Imposant wirkte der Königinnen Papageienfisch (Sc. vetula), der bis zu 60 cm lang werden kann und tatsächlich begegnete ich Fischen dieser Länge. Wenn große Papageienfische mit ihrem starken papageienschnabelähnlichen Gebiss Stücke von Steinkorallen abbeißen, kann man dies unter Wasser bereits aus mehreren Metern Entfernung hören.

Eine seltene Art bei Curacao ist der Mitternachts Papageienfisch (Sc. coelestinus). Ihn sah ich nur ein einziges Mal.

Auch den Rotband Papageienfisch (Sparisoma aurofrenatum) trifft man bei Curacao nicht häufig an. Es scheint als würde diese Art erst unterhalb von 10 Metern Tiefe regelmäßig vorzukommen. Anders verhält es sich mit dem Grünen Papageienfisch (Sp. viride). Er ist in karibischen Riffen immer wieder zu beobachten und dürfte einer der häufigsten Papageienfische sein. Auch bei dieser Art sind männliche und weibliche Tiere unterschiedlich gefärbt. Während die Männchen einen grünen Körper mit einer rosafarbenen Gesichtsmaske besitzen, haben die Weibchen einen braun-weißen Körper und einen leuchtend roten Bauch. Sparisoma viride ist ein Paradebeispiel für eine Fischart, bei der Männchen ein Harem ihr Eigen nennen und bewachen. Das Männchen, einen guten halben Meter lang werdend, patrouillierte meist „nervös“ um seine auffällig gefärbten Weibchen. Kam ein Konkurrent in das Revier, wurde er vom Haremsbesitzer sofort vertrieben.

 

 

Abb. 4: Ein großer Königinnen Papageienfisch (Scarus coeruleus) beisst ein Stück aus einer abgestorbenen Steinkoralle heraus.

 

 

Abb. 5: Ein Königinnen Papageienfisch (S. coeruleus), links, und ein männlicher Gestreifter Papageienfisch (S. iserti), rechts.

 

Für ichthyologisch Interessierte ist die karibische Fischwelt ein wunderbares Bindeglied zwischen der Ichthyofauna des Mittelmeeres und der quirligen Unterwasserwelt indopazifischer Korallenriffe. Die Fischwelt des tropischen Westatlantiks ist in ihrem Artenumfang noch gut überschaubar, bietet wunderschöne Farben, hochinteressante Formen und zahlreiche ethologische Besonderheiten. Tauchgänge und Schnorchelexkursionen  werden nie langweilig, egal ob es sich um den „Makrobereich“ oder um Großfische handelt.

 

Literatur

Blanquet, R., Bartels, P. & Jaros, F. (1980) : Two new fish associations with the Caribbean sea anemone Condylactis gigantea. Carib. J. Sci. 16: 115-117.

Eibl-Eibesfeldt, I. (1955): Über Symbiosen, Parasitismus und andere besondere zwischenartliche Beziehungen tropischer Meeresfische. Z. Tierpsychol. 12: 203-219.

Hanlon, R. T. & Kaufman, L. (1976): Associations of seven West Indian reef fishes with sea anemones. Bull. Mar. Sci. 26: 225-232.

Hanlon, R. T., Hixon, R. F. & Smith, D. G. (1983): Behavioral associations of seven West Indian reef fishes with sea anemones at Bonaire, Netherlands Antilles. Bull. Mar Sci. 33: 928-934.

Itzkowitz, M. (1979): The feeding strategies of a facultative cleanerfish, Thalassoma bifasciatum (Pisces: Labridae). J. Zool. 187: 403-413.

Nieves, L. O. (1985): Notes on the association of Thalassoma bifasciatum with Condylactis gigantea in Puerto Rico. Carib. J. Sci. 21: 155-157.

Took, I. F. (1978): Fishes of the Carribean reefs. MacMillan Press, London.


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